Chronik | Österreich
05.04.2017

Prozess gegen mutmaßlichen Dschihadisten in Graz fortgesetzt

Verurteilter Vermittler als Zeuge einvernommen.

Im Grazer Straflandesgericht ist am Mittwoch der Prozess gegen einen 26-Jährigen fortgesetzt worden. Laut Anklage soll er mit der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) sympathisiert haben und einige Tage in Syrien gewesen sein. Als Zeuge wurde ein bereits rechtskräftig Verurteilter befragt, der Kämpfer an den IS vermittelt hat.

Der Angeklagte wies jede Schuld von sich. Er habe nur in Kairo einen Arabisch-Kurs besucht und sich in Syrien - mitten im Kampfgebiet - umgeschaut, weil er eventuell später dorthinziehen wollte. Der Staatsanwalt stufte diese Aussage als unglaubwürdig ein und betonte, der Beschuldigte wollte offenbar "an einer sozialen Infrastruktur" in einem vom IS beherrschten Staat mitwirken.

Unter den zahlreichen Zeugen war auch Fikret B., der im März vorigen Jahres zu sieben Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden war. Er hatte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft vorgehabt, nach Syrien zu gehen und sich dem IS anzuschließen. Außerdem soll er Bekannte an die Organisation vermittelt haben. Er gab an, den Angeklagten nicht zu kennen, wohl aber einen weiteren Beschuldigten, der nicht zur Verhandlung erschienen war.

Frauensuche in der Türkei

B. beschrieb, dass Mitglieder vom IS in der Türkei gewesen seien, "weil sie Frauen zum Heiraten" gesucht hätten. Der zweite Angeklagte habe ihm dann erzählt, er habe in Syrien den Treuschwur leisten müssen, dann habe er dortbleiben können, was dieser aber nicht wollte.

Ein weiterer Zeuge war von einem Linzer Glaubensverein. Dort unterrichte er "Koranerklärung", erzählte er. Außerdem habe er als Religionslehrer an Volks- und Hauptschulen gewirkt. Im Glaubensverein "trinken wir Tee, unterhalten uns, reden den Koran", beschrieb er. Mit den Angeklagten habe er "nur Fußball gespielt".

Der Prozess wird morgen, Donnerstag, fortgesetzt, dann könnte es auch ein Urteil für den 26-Jährigen geben. Die Verfahren gegen die beiden Mitangeklagten werden zunächst getrennt weitergeführt.