Chronik | Österreich
28.05.2018

Projekte in Warteschleife, Airport kann nicht abheben

Privatisierung des Klagenfurter Flughafens: Manager kennt die Pläne des Investors nicht

Die monatelangen Verzögerungen rund um die Privatisierung des Klagenfurter Flughafens wirken sich negativ auf die Zukunftsprojekte aus. Airport-Geschäftsführer Michael Kunz muss Weichenstellungen immer wieder aufschieben, weil keine Abstimmung mit dem neuen Besitzer stattgefunden hat.

Seit 1. September 2017 ist Kunz im Amt, seit November sollte der Mehrheitseigentümer bekannt sein. Nun weiß die Öffentlichkeit wohl, dass die Lilihill-Gruppe des Völkermarkters Franz Orasch den Zuschlag erhalten hat, die Verträge sind aber noch nicht unterzeichnet – es spieße sich seit Wochen in Detailfragen, sagt der für Landesbeteiligungen zuständige Referent Martin Gruber (ÖVP).

Für den Flughafengeschäftsführer eine „unglückliche Situation“. Kunz hatte mit Orasch keinen Kontakt. Dies sei während des Bieterprozesses „nicht unüblich. Aber jetzt würde ich mich schon gerne mit ihm über die Konzepte abstimmen.“

Theoretisch könnte Orasch den Manager nur wenige Monate nach dessen Einstieg wieder ablösen. „Davon gehe ich jedoch nicht aus“, sagt Kunz. Dieser hat vielmehr große Zukunftspläne, weiß aber nicht, ob diese bei Orasch Anklang finden werden. „Orasch will Gewinn machen, wird eigene Ideen einbringen. Ich kann nur zuwarten – in einer Branche, die langfristig plant. Ich möchte mit Airlines verhandeln; es gilt, strategische Fragen zu klären; es gilt, Investitionen zu tätigen, möglicherweise den Terminal umzugestalten. Aber ich weiß nicht, welche Mittel ich zur Verfügung habe“, beklagt Kunz.

AUA wichtigster Partner

Spekulationen, wonach die Verzögerungen an fehlenden Unterlagen des Airports liegen könnten, wolle er nicht kommentieren. Diese seien der Beteiligungsgesellschaft vor Beginn seiner Ära zur Verfügung gestellt worden.

Insidern zufolge wird weiters um einen Vertragspassus gerungen, der die Rückführung des Flughafens an Stadt und Land vorsieht, falls die jährlichen Passagierzahlen unter 100.000 Fallen sollten. „Ein solcher Fluggäste-Rückgang ist extrem unwahrscheinlich, aber auszuschließen ist nichts, falls die Austrian Airlines die Destination Klagenfurt kappt“, betont Kunz. Von 216.905 Fluggästen 2017 frequentierten mehr als die Hälfte die Strecke WienKlagenfurt.

Thomas Martinz