Chronik | Österreich
07.06.2018

Polizist in Klagenfurt angefahren und mitgeschleift: 18 Monate Haft

Landesgericht Klagenfurt: 26-jähriger Bosnier geständig. Sechs Monate unbedingt.

Ein 26-jähriger Bosnier, der im März einen Polizisten angefahren und mehrere Meter mitgeschleift hat, ist am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt zu 18 Monaten Haft, davon sechs Monate unbedingt, verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Polizei beobachte Drogen-Deal

Der Vorfall hatte sich am 9. März im Stadtgebiet von Klagenfurt ereignet. Der in Österreich aufgewachsene Angeklagte saß in seinem Auto und wollte von einem 22-Jährigen aus Sierra Leone Kokain kaufen. Die Polizei hatte den Deal beobachtet und schritt ein. Während sich der Dealer heftig wehrte, startete auch der Bosnier einen Fluchtversuch, der beinahe fatal geendet hätte. Er legte den Retourgang ein und gab Vollgas - ein Polizist, der die Fahrertür geöffnet hatte und den Mann festnehmen wollte, wurde von der offenen Tür erfasst, zu Boden geworfen und mehrere Meter weit mitgerissen. Auch Warnschüsse beeindruckten den 26-Jährigen nicht - er flüchtete mit bis zu 140 km/h zwei Kilometer weit durch das Stadtgebiet, erst dann gelang es der Polizei, das Auto des Angeklagten abzudrängen.

Er habe Angst vor dem Gefängnis gehabt, begründete der 26-Jährige seine Tat, während der er "an gar nichts" gedacht haben will. "Ich verstehe das nicht", hakte Richter Dietmar Wassertheurer nach, "Sie haben mitbekommen, dass Sie den Polizisten mitgeschleift haben, das war ja keine Schrecksekunde, Sie sind zwei Kilometer weit geflüchtet." Dem pflichtete der 26-Jährige auch bei: "Wenn ich nicht geflüchtet wäre, wäre vielleicht gar nichts gewesen, ich habe alles zehntausend Mal schlimmer gemacht." Besonders die hohe Geschwindigkeit während der Verfolgungsjagd, die auch durch eine 30 km/h-Zone mit Zebrastreifen führte, legte der Richter dem Bosnier zur Last: "Das ist an der Grenze dazu, dass man Verletzungen von jemandem in Kauf nimmt."

Man ist in so einer Situation hilflos. Man kann nur auf die Vernunft des Täters hoffen.

Der Polizist, der mitgeschleift wurde

Vor Gericht sagte auch der Polizist aus, der von dem Bosnier mitgeschleift worden war: "Man ist in so einer Situation hilflos. Man kann nur auf die Vernunft des Täters hoffen. Mein Glück war jedenfalls, dass ich rückwärts weggefallen bin, dadurch war wenigstens mein Kopf aus dem Gefahrenbereich." Dennoch hatte er Abschürfungen, Prellungen und Verstauchungen erlitten. Der Angeklagte entschuldigte sich im Gerichtssaal bei seinem Opfer. Der Polizist nahm die Entschuldigung an, gab dem 26-Jährigen aber noch etwas mit auf dem Weg: "Du hast Glück, weil es könnte heute auch meine Witwe dasitzen."

Staatsanwältin Gabriele Lutschounig sprach wörtlich von einem "unfassbaren Verhalten" und von einer "unfassbaren Gefahrensituation": "Es war nur ein glücklicher Zufall, dass der Polizist nicht mit dem Kopf unter das Auto geraten und getötet worden ist." Richter Wassertheurer fällte den Schuldspruch schließlich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, schwerer Körperverletzung, Gefährdung der körperlichen Sicherheit und fahrlässiger Gemeingefährdung. "Das ganze war kein normaler Widerstand", sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Er verwies auch auf die Spezial- und Generalprävention: "Die Leute sollen wissen, dass das, was hier passiert ist, nicht etwas ist, das mit einer bedingten Strafe abgetan ist."

Der Angeklagte erbat drei Tage Bedenkzeit. Staatsanwältin Lutschounig gab keine Erklärung ab.