Polit-Duell um Krems: Zwei mit Führungsanspruch
Wenige Tage vor dem Urnengang bat der KURIER die beiden Spitzenkandidaten zum Doppel-Interview, die Anspruch auf den Kremser Bürgermeistersessel erheben:
KURIER: Mit welchen Gefühl gehen Sie dem Wahltag entgegen?
Rinke: Mit guten Gefühlen.
Resch: Mit sehr positiven Gefühlen, auch weil der Wahlkampf vorbei ist.
Warum halten Sie sich für die richtige Person auf dem Bürgermeistersessel?
Rinke: Weil ich in der Politik mit vielen Menschen das Gute bewegt habe, viele Rahmenbedingungen schaffen konnte, viele Projekte umgesetzt und gezeigt habe, dass es geht.
Resch: Weil ich glaube, dass in der Stadt Krems nicht alles anders, aber vieles gemeinsam besser gemacht werden kann. Ich glaube, dass wir mit Bürgern und innerhalb der Parteien besser zusammenarbeiten sollten.
Was sind die beiden größten Probleme der Stadt und wie wollen Sie die lösen?
Rinke: Weil viele Menschen zuziehen, braucht es Maßnahmen im Wohnbau, bei Verkehrsmaßnahmen oder beim Krankenhaus, dessen Zielplanung abgeschlossen ist. Wir versuchen immer das Bessere zu tun und zu arbeiten und nicht drauf zu warten, dass wer anderer das besser macht. Verkehrskonzepte aus 2005 werden schrittweise umgesetzt.
Resch: Ein großes Problem sehe ich darin, dass wir in Krems wirklich eine neue politische Kultur brauchen. Mehr Bürgerbeteiligung. Eine Art Masterplan für die Stadt, der die Verkehrskonsolidierung umfasst. Ein wichtiger Punkt ist auch, die Budgetkonsolidierung weiterzuführen. Ein Ziel ist außerdem, dass wir uns in Richtung sozialer Musterstadt weiterentwickeln.
Was hat Sie am Wahlkampf der anderen geärgert und gibt es etwas,das am eigenen nicht in Ordnung war?
Rinke: Es gibt immer Dinge, die einen irritieren oder im eigenen Wahlkampf möglicherweise wünschenswert wären.
Resch: Unser Wahlkampf ist sehr gut gelaufen. Was mich extrem betroffen gemacht hat, ist das dirty campaigning des Mitbewerbers.
Welche Funktionen üben Sie regelmäßig aus?
Rinke: Bürgermeisterin, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Abwasserverbandes. Aufsichtsratsvorsitzende bei der Gedesag, mit Sitzungsgeld von 40 Euro. Bei der Fachhochschule bin ich im Aufsichtsrat ohne Geld und bei Raiffeisen. Das übe ich aus Zeitmangel selten genug aus. Andere Funktionen haben mit dem Amt zu tun, wie Städte- und Gemeindebund und soziale Aktivitäten.
Resch: Ich habe eine Funktion im Krankenhaus als Primar mit 20 Wochenstunden, zuletzt war ich 14 Tage freigestellt. Habe ein Ambulatorium mit Ordination, wo ich als Geschäftsführer kein Gehalt habe, mit Gutachten in der Ordination aber etwas verdiene. Als Vizebürgermeister bekomme ich gutes Geld, das ich komplett an Institutionen im Sozialbereich weiter gebe. Als Bürgermeister, würde ich mich im Krankenhaus karenzieren lassen. Die Geschäftsführung des Ambulatoriums würde meine Gattin machen, die Ordination würde ruhend gestellt.
Was fällt Ihnen zur umstrittenen Polizeistation ein?
Rinke: Ich will nicht, dass die Sicherheit unserer Stadt schlecht geredet wird. Die 1200 Unterschriften für die Station habe ich nie gesehen. Wir sind die besten in der Kriminalstatistik. Im Nationalrat haben die Sozialdemokraten gegen die Polizeistation gestimmt. Die Polizei leistet gute Arbeit. Anderswo ist es schwieriger, wenn Städte am höherrangigen Straßennetz liegen.
Resch: Ja, die Polizei arbeitet gut. ÖVP und SPÖ haben im Nationalrat den Antrag von einem falschen zum zuständigen Ausschuss weiter geleitet. Als wir das Problem in der Altstadt thematisiert haben, ist die SPÖ als Nestbeschmutzer hingestellt worden. Warum ist das notwendig? Die Kriminalitätsstatistik ist niedrig, aber erfasst Vandalismus nicht. Die Unterschriftenliste bekommst Du morgen.
Gibt es auch gemeinsame erarbeitete Erfolge?
Rinke: 95 Prozent unserer Beschlüsse sind einstimmig gefallen.
Resch: Das stimmt. Auch die Zusammenarbeit zur Energieautarkie ist erfolgreich, lässt uns viel an den Energiekosten einsparen.
Inge Rinke: Kandidatin der ÖVP
Geboren 1952 in Villach, Kärnten. Seit 1978 in Krems wohnhaft. Gelernte Fotografin, Bürokauffrau, Weiterbildung an der Donau-Uni. Verheiratet, drei Kinder. Ab 1994 im Gemeinderat. 1997 erstmals Vizebürgermeisterin, 2002 erneut Vizebürgermeisterin bis Ende 2003. Ab April 2003 Landtagsabgeordnete und Bezirksleiterin der NÖVP-Frauen. Seit 2007 ist sie Bürgermeisterin der Stadt Krems.
Reinhard Resch: Kandidat der SPÖ
Geboren 1955 in Opponitz, Bezirk Amstetten. Matura im Stift Melk, Medizinstudium in Wien. Ausbildung zum Facharzt auch in den USA. Seit 1992c Primarius in Krems. Verheiratet, drei Kinder. Seit 1992 wohnhaft in Krems/Rehberg. 1995 gründete er sein Therapiezentrum im Steigenberger-Hotel. Seit 2002 ist er Gemeinderat, ab 2005 Stadtrat. Seit 2008 Stadtparteiobmann, ab 2009 Vizebürgermeister.
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