Toni Niederwieser hat die Bergbahnen Fieberbrunn mit dem Skicircus Saalbach-Hinterglemm verbunden

© /Bildagentur Mühlanger

Verbindung
12/05/2015

Pistenzwerg steigt zum Ski-Riesen auf

Fieberbrunn hat an Skicircus Saalbach angedockt: Gemeinsam ist man Österreichs größtes Skigebiet.

Die Runde, die sich Freitagmittag auf dem Reiterkogel im Salzburger Pinzgau trifft, ist so groß, dass sie kaum auf ein Foto zu bannen ist. Es sind die Geschäftsführer der verschiedenen Bergbahnen, die gemeinsam den Skicircus Saalbach-Hinterglemm und Leogang bilden. Neu in der Manege ist Toni Niederwieser, Chef der Bergbahnen im Tiroler Fieberbrunn. Gekommen ist er in einem Lift, der seit gestern sein Kleinskigebiet mit jenem der Salzburger Nachbarn verbindet.

"Die Idee des Zusammenschlusses gibt es eigentlich schon seit 30 Jahren", erzählt der 57-Jährige kurz vor dem Treffen mit den neuen Partnern, während die Gondelbahn die Landesgrenze überquert. 20 Millionen Euro hat die von Niederwieser geleitete Gesellschaft in die Verbindung investiert. Als "das bestversteckte Skigebiet" hat man bislang geworben. Nun tönt es anders. Durch die Skischaukel ist ein neuer Riese entstanden: das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs.

Gemeinsam ist man zur Nummer 1 im Land aufgestiegen. Fieberbrunn kann seinen Gästen nun 270 statt bisher 45 Pistenkilometern anbieten. Das ist in Zeiten, in denen immer mehr Kleinskigebiete ums Überleben kämpfen, Gold wert. "Aus Studien wissen wir, dass 70 Prozent der Skifahrer ein Gebiet nach der Größe aussuchen. Unter 100 Kilometern bist du da gar nicht dabei", erklärt Niederwieser.

Im Fokus der Gäste

Und Florian Phelps, Geschäftsführer der Tourismusregion Pillerseetal, zu der Fieberbrunn gehört, ergänzt: "Das heißt, das wir für 70 Prozent der Leute gar nicht in den Fokus gekommen sind." Schon jetzt macht sich ein positiver Effekt spürbar. Der Umsatz bei den über den Tourismusverband gebuchten Zimmern im 4300-Einwohner-Ort hat sich verdreifacht. In der Hotellerie würde nun auch wieder mehr investiert, erzählt Phelps.

Tatsächlich ist im Ort eine gewisse Aufbruchsstimmung spürbar. "Langfristig war der Zusammenschluss sicher überlebenswichtig", sagt Josef Stöckl, Junior-Chef eines Sportgeschäfts direkt an der Talstation. "Ich hoffe vor allem, dass die Löcher zwischen den Ferienwochen gestopft werden und da mehr Leute kommen." Mitten im Dorf sieht auch Antonia Scheffauer der Zukunft positiv entgegen. "Das war für Fieberbrunn sehr wichtig", sagt die Chefin des Hotels Metzgerwirt, die den frischen Wind schon spürt: "Wir sind bereits seit Mitte November ausgebucht."

Aber auch beim Skicircus Saalbach profitiert man vom Zusammenschluss. "Fieberbrunn hat mit dem Thema Freeriden einen neuen Bereich in den Skicircus gebracht", sagt Marketingleiter Sebastian Schwaiger. Größtes Skigebiet darf man sich aber wahrscheinlich nur ein Jahr lang nennen. In der Überholspur scharrt bereits St. Anton mit den Hufen (siehe Zusatzartikel).

Eine Fusion jagt die nächste

Der Superlativ ist das kleine Einmaleins im Tourismusmarketing. Im Winter heißt die heißeste Währung Pistenkilometer. Für Kleinskigebiete wird das Überleben in dem heiß umkämpften Markt immer schwerer. Und auch die Großen nutzen jede Gelegenheit, um zu wachsen.

So hat etwa Ischgl erst vor zwei Jahren trotz massiver Einwände von Naturschützern mit einer neuen Bahn den Piz val Gronda erschlossen. Das hat zwar nur wenige Pistenkilometer gebracht, aber eine Verbindung zu einem Tal hergestellt, in dem sich Freerider austoben können.

Die sind in Fieberbrunn schon lange zu Hause. Mit dem Zusammenschluss der Bergbahnen des Dorfs im Bezirk Kitzbühel (siehe Hauptgeschichte) mit dem Skicircus in Salzburg liegt man ganz im Trend. Dort, wo es irgendwie geht, werden wie wild neue Lifte gebaut, um Verbindungen herzustellen. Darum darf sich der Skicircus Saalbach, mit dem sich die Fieberbrunner vereinigt haben, wohl nun größtes Skigebiet Österreichs nennen.

"Schon nächstes Jahr werden wir sie überholen", kündigt Mario Stedile-Foradori von den Arlberger Bergbahnen an.2016 soll ein Lift Zürs mit St. Anton verbinden und damit neue Dimensionen eröffnen. Und eine Bahn, die vom Arlberg nach Kappl im Paznauntal führen soll, hat gerade einen positiven Bescheid erhalten. Doch auch der Skicircus jongliert bereits mit neuen Bällen. Bis zum Winter 2018/19 soll übrigens dann eine Verbindung nach Zell am See stehen: die nächste Mega-Fusion.

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