Chronik | Österreich
29.09.2018

Persönliches Juwel aus Haut und Haar

Oberösterreichische Firma erzeugt Schmuck aus der Asche des Opas oder dem Löckchen des Babys.

„Was wir schon an Geschichten gehört und erlebt haben, ist unglaublich“, überlegt Gerald Reiter. „Da ist so viel Emotion drin.“

Seit 2012 stellt Reiters „ Mevisto“ mit Sitz in Oberösterreich Rubine und Saphire synthetisch her, versetzt mit Asche eines Verstorbenen oder Haaren von Lebenden. Der Familienbetrieb ist das einzige Unternehmen weltweit, das so etwas kann. Eine chemische Reaktion produziert das Juwel und erzeugt eine menschliche - Freude. „Die Menschen, die ihren Schmuck bei uns holen, freuen sich wirklich“, sagt Reiter und freut sich selbst. „Ich wollte immer etwas für die Ewigkeit machen.“

Zurück zu den Geschichten, die in dem personalisierten Schmuck weiterleben. Mark etwa trägt seinen Großvater Klaus immer bei sich: Aus etwas Asche des Opas ließ sich der Enkel einen Saphir machen. Luisa dagegen wählte ein Löckchen ihres Babys. „Das ist mehr als nur ein Schmuck. Das erzählt eine Erinnerung, eine Geschichte“, ist Reiter überzeugt. „Wenn eine Mutter ein Schmuckstück aus dem Haar ihres Kindes besitzt, ist jedes Mal der Gedanke an das Kind da, wenn sie zum Schmuck greift.“

Da Asche von verstorbenen Menschen oder Haustieren, dort Haare von Lebenden. Beides ist möglich, das war Reiter wichtig. „Wir wollten den Bogen von der Geburt bis zum Tod spannen, nicht differenzieren. Die Gesellschaft verdrängt ja den Tod.“ Damit fängt jedoch Reiters eigene Lebensgeschichte an, die er freimütig erzählt: Sein Vater erschoss seine Mutter, da war er gerade 18 Jahre alt.

Saphire und Rubine

Heute ist Reiter 57 und Späteinsteiger. Erst mit 40 Jahren gründete er seine erste Firma und stieg aus dem sicheren Job als Lehrlingsausbilder aus. Arbeitssicherheitskonzepte entwickelte er, „das ist sehr technisch. Wir schützen Leben, aber da ist wenig Emotion“, beschreibt Reiter. Zehn Jahre später dann „Mevisto“: Die Technik dahinter wurde selbst ausgetüftelt. Sie klingt simpel, ist aber hochkomplex: Biogenes menschliches oder tierisches Material (Haar, Asche, Haut einer Nabelschnur) wird auf 2300 Grad erhitzt und mit Aluminiumoxid verschmolzen. Das ist der Grundstoff für Saphire, bei Rubinen ist noch Chrom dabei. Mindestens fünfzig Gramm Asche oder zehn Gramm Haar sind nötig, nach sechs Wochen ist das Juwel fertig. Völlig personalisiert, durch seine Zugaben gleicht kein Stück einem anderen. „Das ist der persönlichste Schmuck der Welt“, glaubt Reiter.

Die Wissenschaft war anfangs skeptisch, zu groß ist auf dem Gebiet auch die Schiene der Esoteriker. „Dazu wollten wir eine klare Grenze. Es ist unvorstellbar, wie Leute da hinters Licht geführt werden.“ Die Professoren wurden überzeugt, „Mevisto“ regelrecht geadelt: Aus dem Zahn eines Dinosauriers durfte die Firma einen Rubin herstellen. Der ist jetzt im Naturhistorischen Museum ausgestellt.

Perle mit Innenleben

Doch solcher Schmuck hat seinen Preis. 50.000 Euro kostet ein Stück mit zwölf Karat, rund 2000 Euro ein Ein- bis Zweikaräter ohne Fassung, das Einstiegsmodell. Summen, die nicht so ohne Weiteres aufzubringen sind. Das störte den Firmenchef selbst. „Das kann sich nicht jeder leisten. Aber ich sehe, die Leute wollen so etwas Personalisiertes, aber es ist nicht für jeden leistbar.“ Da musste die nächste Idee her: Eine hohle Porzellanperle, die mit geschmolzenem Haar gefüllt wird. „Ceramics“ kommt gerade auf den Markt und ist ein System für zu Hause, zum Selbermachen. „In 15 Minuten ist man fertig und hat sein persönliches Schmuckstück.“ Mit dem Preis von 149 Euro kann auch Gerald Reiter gut leben. „Das ist leistbar. Ich wollte ja nie ein so elitäres Produkt.“

Wie es funktioniert

Für die Juwelen wird biogenes Material (Asche, Haare, Haut)  chemisch aufbereitet. Bei rund 2000 Grad werden die Grundstoffe der Edelsteine mit menschlichem oder tierischem Material verschmolzen. Daraus entsteht ein Roh-Juwel. Er wird  geschliffen und zu Ringen oder Anhängern verarbeitet. Das Perlen-„Labor zum Selbst machen“ funktioniert mit Haar, das Set samt Perle und  Mini-Labor wird nach Hause geliefert.  Eine Strähne in der Länge von rund zwei Zentimetern muss in den Behälter gestopft werden, danach wird der Deckel  gedreht, das setzt eine Reaktion in Gang: Nach 15 Minuten ist eine Flüssigkeit übrig, die mit einer Pipette in die Perle getropft wird.

Informationen: www.mevisto.com