Pater August mit einem "Patienten"

© Elisabeth Holzer

Steiermark
12/12/2018

Patenschaften gesucht: „Viele Bücher sind Patienten“

Stift Rein sucht nach Spendern, die die Restaurierung alter Werke aus der Bibliothek finanzieren.

von Elisabeth Holzer

Der Steueranschlag aus 1602, der Zinsgulden Anschlag aus 1668 oder das Protokoll der k.k.landesfürstlichen Verordnungen aus 1787: Sie sind Raritäten und Einzelstücke, aber schadhaft. „Viele unsere Bücher sind leider Patienten“, bedauert Pater August und zeigt einige her: Hier der Holzwurm im Deckel, dort Kunststoff im Einband als Beispiel, was schlechte Restaurierung weiter ruinieren kann.

Gut 100.000 Werke besitzt die Bibliothek des Zisterzienserstiftes Rein in Graz-Umgebung, unter ihnen 390 kostbare Handschriften. „Ein Dutzend Mönche hat an einer Handschrift durchschnittlich ein Jahr lang gearbeitet“, beschreibt August Janisch. Doch mögen manche Druckwerke nicht so prächtig wie Handschriften aussehen, kostbar sind auch sie: „Hier lagert das gespeicherte Wissen der Jahrhunderte. Das ist wie auf einem USB-Stick“, vergleicht der Pater und zieht einen aus der Tasche. „Aber wahrscheinlich hätte dieses Wissen auf einem Stick gar nicht Platz.“

Geschichte erhalten

Mehrere Hundert Werke stehen auf der „Patientenliste“, die Janisch penibel führt. Für sie sucht er Financiers, die für ihre Restaurierung aufkommen. „Es gilt, Geschichte zu erhalten. Wir brauchen aber Unterstützung.“ 2004 riefen die Zisterzienser die „Buchpatenschaften“ ins Leben, auf Anregung des Grazer Altbürgermeisters Alfred Stingl, SPÖ, und nach Vorbild der Nationalbibliothek. Seither wurden rund 300 Werke vor dem Verfall gerettet.

 

Edith Hornig und ihr Mann Johannes sponserten 2009 unter anderem die Restaurierung des Annalium Ecclesiasticorum aus 1627. „Wir wurden von Alfred Stingl angerufen, für uns war das selbstverständlich“, erinnert sich Hornig. „So etwas muss aber auch zu einem passen.“ Burkhard Thierrichter, ehemaliger Bezirkshauptmann von Graz-Umgebung, und seine Frau verzichteten zum Sechziger auf Geschenke und baten stattdessen um Geld, um Kulturgut zu retten. Für rund 5000 Euro sicherten sie fünf Werke. „Man macht hier wirklich etwas für die Geschichte des Landes“, begründet Thierrichter. „Wir haben dann auch sehr viele Freunde animiert, das auch zu machen.“ Mit Hilfe der Paten konnten unter anderem Exemplare des Deutschen Wörterbuches der Gebrüder Grimm oder ein Kräuterbuch aus dem deutschen Dresden (1745) gerettet werden.

Die Buchpatenschaften sind leistbar, die Restaurierung des Eintragsbuch 1762 bis 1780 kommt auf 252 Euro, das Kaufrechtsbuch 1680 auf 504 Euro. Derzeit hat Pater August rund 20 Werke auf seiner Liste; sind alle Patienten verarztet, lässt er sich vom Bibliothekar die nächste Partie vorlegen und holt bei den Restauratoren Kostenvoranschläge ein. Jeder Buchpate erhält eine Urkunde, im Werk selbst wird dessen Name ebenfalls vermerkt. „Und es ist steuerlich absetzbar“, merkt der Pater an. „So etwas ist heute ja wichtig.“

BUCHTIPP

Restaurierung schriftlichen Kulturgutes. Zehn Jahre Buchpatenschaften in Stift Rein, Gudrit Sixl und Wolfgang Sixl-Fuchs; 32 Euro.

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