Chronik | Österreich
08.10.2018

Offensive gegen den Pflege-Engpass

Bund und Länder wollen an Ausbildungsschraube drehen. Niederösterreich leitet dazu Experten-Arbeitsgruppe.

Bund und Länder starten wieder einen Anlauf, um die Betreuung von Kranken und Älteren langfristig gewährleisten zu können. Geschraubt werden soll vor allem am Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG), um Spitalspfleger künftig auch in der Langzeitbetreuung einsetzen zu können.

„Der Bedarf an Pflege steigt aufgrund der demografischen Entwicklung rasant an“, sagt Niederösterreichs Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP). Als Vorsitzender des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds führt er seit vergangenen Freitag auch eine bundesweite Experten-Arbeitsgruppe an. Sie soll einmal mehr die Ausbildung und Kompetenzen der diplomierten Pflegekräfte, Pflegeassistenten und Pflegefachassistenten evaluieren und neu ordnen. Die beiden Letzteren werden seit der jüngsten Reform 2016 in Österreich ausgebildet. Hinter vorgehaltener Hand berichten erfahrene Krankenschwestern und Pfleger aber, dass sich die damals angestrebte Aufgabenverteilung zwischen den drei Berufsbildern nicht wirklich eingestellt hat.

Das soll nun anders werden. „Um den drohenden Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken, müssen wir Berufsrechte und Kompetenzen der Pflegeberufe schärfen, die Pflege attraktivieren und junge Menschen für den Pflegeberuf gewinnen“, sagt Eichtinger. Insbesondere die Pflegefachassistenz soll mit mehr Kompetenzen ausgestattet werden, „um auch in der Langzeitpflege optimal eingesetzt zu werden“.

Schulungen

Eichtinger spricht von „zeitgemäßen Spezialausbildungen“ in Familienpflege sowie in der Betreuung von Pflegebedürftigen in Gemeinden und Schulen. Ziel sei „eine individuelle und punktgenaue Pflege von Betroffenen und Unterstützung von Angehörigen“, betont Eichtinger.

Bei ihrer Konferenz in Bad Tatzmannsdorf kamen die Gesundheitsreferenten auch überein, mittels gezielten Maßnahmen mehr junge Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern. Umschulung, Stipendien und Vorbereitungskurse sollen von einer österreichweiten Imagekampagne begleitet werden. „Um den künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein, soll auch die Aufnahme in die Mangelberufsliste geprüft werden“, ergänzt Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Weiterhin geben soll es ein sogenanntes Fachkräftestipendium.

Wie sehr der Bedarf an Pflegekräften steigt, belegen etwa Prognosen aus Niederösterreich: Bis zum Jahr 2050 wird hier die Bevölkerung von auf 1,9 Millionen Menschen anwachsen. Mehr als ein Drittel davon – rund 680.000 Menschen – wird dann über 60 Jahre alt sein. Im Durchschnitt werden die Niederösterreicher 81 Jahre alt. Davon verbringen sie die letzten 15 Jahre zumeist mit einer oder mehreren Krankheiten.