Chronik | Österreich
03.08.2018

Mordversuch-Prozess in Graz: Nebenbuhler mit Messer verletzt

Das Urteil wurde zwei Mal vom Obersten Gerichtshof (OGH) wegen Fehler in der Fragestellung aufgehoben.

Im Grazer Straflandesgericht ist am Freitag ein 44-Jähriger zum dritten Mal in derselben Sache vor einem Geschworenensenat gestanden. Dem Nigerianer wird versuchter Mord angelastet, er soll 2015 seinen Rivalen durch Messerstiche schwer verletzt haben. Das Urteil wurde zwei Mal vom Obersten Gerichtshof (OGH) wegen Fehler in der Fragestellung aufgehoben.

"Die Anklage kennen Sie ja schon", sagte Staatsanwalt Hansjörg Bacher zum Angeklagten. 2016 und 2017 hatte der Prozess schon stattgefunden, jedes Mal entschieden die Geschworenen auf versuchten Mord und verhängten zwölf Jahre Haft. Dieses Urteil sei auch völlig in Ordnung gewesen, betonte der Ankläger, aber "die Fragestellung an die Geschworenen war im System nicht richtig." Insgesamt hätten sich mittlerweile 31 Richter - Strafrichter, Laienrichter, Richter von OGH und Oberlandesgericht - mit dem Fall beschäftigt, aber die Fragen seien oft "eine wirkliche Herausforderung."

Fragestellung "watscheineinfach"

Das sah Verteidiger Wolfgang Vacarescu anders: "Die Fragestellung ist watscheneinfach". Im übrigen "glaube ich, dass sich die Tat ganz anders abgespielt hat." Der Angeklagte ist seit 2001 in Österreich, lernte hier eine Frau kennen und heiratete sie. Das Paar bekam zwei Kinder. Sie zogen für kurze Zeit nach Südafrika, dann lebte die Ehefrau mit den Kindern meist allein in Graz. In dieser Zeit lernte sie einen Landsmann ihres Mannes kennen "und begann mit ihm eine sexuelle Beziehung", erzählte der Staatsanwalt. "Das gefällt wahrscheinlich den wenigsten Männern", führte der Ankläger weiter aus. Am 21. Oktober 2015 eskalierte die Situation schließlich.

Die Familie war gerade beim Weggehen, als der 43-Jährige noch einmal in die Wohnung zurückkehrte und dort plötzlich seinem Nebenbuhler gegenüber stand. Laut Ankläger soll er gesagt haben, er habe lange auf diesen Moment gewartet. Dann ging er nach der Version des Staatsanwalts mit einem Jagdmesser auf ihn los und "versetzte ihm einen wuchtigen Stich in den Bauch". Es kam zu einem Darmaustritt, was das Opfer jedoch nicht sofort bemerkte, da es auch noch zwei Stiche ins Gesicht erhielt. "Der Angeklagte war der Aggressor, er wollte den Kontrahenten ein für alle Mal beseitigen", war Bacher überzeugt.

Angeklagter spricht von Notwehr

Der Nigerianer bekannte sich - wie in den beiden anderen Prozessen - auch diesmal nicht schuldig. Er sprach von Notwehr, in Wirklichkeit habe der andere ihn verletzten wollen. Er war überraschend aus England heimgekommen, seine Frau "war wie in einem Schock." "Warum?", fragte Richterin Christin Amschl. "Sie hat nicht erwartet, mich zu sehen", antwortete der Nigerianer. Er blieb dabei, dass die Sache ein Unfall gewesen sei und er sich nur gewehrt habe.

Der Prozess wurde auf vier Tage anberaumt, ein Urteil soll am Mittwoch erfolgen.