Der Angeklagte im Landgericht in Essen.

© APA/dpa/Maja Hitij

Deutschland
02/06/2015

Fall Madeleine: Lebenslange Haft für Kärntner

Der 47-Jährige soll seine Stieftochter jahrelang missbraucht und vergangenes Jahr erstickt haben.

Ein Jahr nach der Ermordung der 23-jährigen Madeleine ist der aus Kärnten stammende Stiefvater der jungen Mutter am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Essener Schwurgericht stellte außerdem eine besondere Schwere der Schuld fest. Das bedeutet, dass eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren Haft ausgeschlossen ist.

Die Richter zeigten sich überzeugt, dass der 47-Jährige seine Stieftochter jahrelang sexuell missbraucht und am 11. Februar 2014 aus Wut ermordet hat; soll seine Stieftochter geschlagen, gefesselt, erstickt und anschließend einbetoniert haben. In seinem Schrebergarten in Essen war die Leiche Madeleines gefunden worden. Er ist auch der Vater ihrer Tochter. Sein Sohn wurde als Mittäter zu vier Jahren Haft verurteilt.

Geständnis

Im Laufe des Prozesses hatte der Kärntner gestanden, die junge Frau mit getötet zu haben. Dies sei aber keine Absicht gewesen - in einem plötzlichen Wutanfall habe er eine volle Wodkaflasche geworfen und Madeleine ungewollt mit voller Wucht am Kopf getroffen. Auch den sexuellen Missbrauch von Madeleine räumte der Mann ein, das Ersticken jedoch nicht.

Die Tat selbst sei die Folge einer dramatischen Eskalation gewesen. Madeleine sei mithilfe des mitangeklagten Sohnes aufgespürt und am 11. Februar 2014 in den Schrebergarten gefahren worden. Eigentlich sei nur eine Aussprache geplant gewesen. Seine Stieftochter habe jedoch plötzlich angefangen zu schreien und ihn - den Angeklagten - mit einer Bierflasche angegriffen.

Um sie ruhig zu stellen, sei die 22-Jährige mit Lautsprecherkabeln gefesselt und mit einem Geschirrtuch geknebelt worden. Trotzdem habe sie sich weiter gewehrt und geschrien. Außerdem habe sie mit einer Anzeige wegen Entführung gedroht. In der Erklärung heißt es dazu: "Der Angeklagte geriet in immer größere Panik. Die Situation ist ihm über den Kopf gewachsen."

Einbetoniert

Der 47-Jährige ließ über seinen Verteidiger erklären, das Loch, in dem die einbetonierte Leiche von Madeleine eine Woche nach ihrem Verschwinden entdeckt wurde, habe er schon viel früher gegraben. Er habe den Boden austauschen wollen. Den Fertigbeton habe er gekauft, um eine Bodenplatte zu gießen, auf der später Kaninchenställe gebaut werden sollten. Sein ebenfalls angeklagter Sohn sei bei der Tat dabei gewesen, dann aber nach Hause geschickt worden.

Neben der Tötung gestand Günther O. auch, seine Stieftochter sexuell missbraucht zu haben. Auch das Kind der 22-Jährigen sei von ihm. Die junge Frau war aus der Wohnung der Familie geflüchtet. Sie hatte ihren Stiefvater angezeigt und auf Unterhalt verklagt.

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