Chronik | Österreich
18.06.2018

Mithäftling getötet: Kärntner in Graz zu lebenslanger Haft verurteilt

Angeklagter sagt : "Ich hatte so einen Hass auf ihn, da hat's mich ausg'hakelt"

Im Grazer Straflandesgericht ist am Montag ein Kärntner wegen Mordes an einem Mithäftling zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er soll 2017 seinen Zellengenossen mit einem Tischbein erschlagen haben. Der 34-Jährige, der derzeit eine 18-jährige Strafe wegen Mordes an seiner Freundin verbüßt, wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

In der Haftanstalt teilte er die Zelle mit einem anderen Kärntner, der seine Freundin in der Badewanne ertränkt hat. Die beiden waren nur zwei Wochen Zellengenossen, doch der Angeklagte "hasste den anderen, weil dieser nicht zu seiner Tat stand", beschrieb die Staatsanwältin.

"Das hat sich aufgestaut, das war so eine Antipathie, weil er so ein falscher Hund war", erzählte der 34-Jährige. Sein Zellengenosse habe seine eigene Tat immer beschönigen wollen. Bei einem Streit "hat's mich ausg'hakelt und ich hab' den Tischfuß erwischt". Dann sei er in einen "Blutrausch" geraten und habe "so sieben bis zehn Mal" zugeschlagen, wobei es auch zu einem Hirnaustritt kam. Anschließend legte er ihm noch einen Gürtel um den Hals und zog zu, "weil er immer weiter geröchelt hat".

Als der andere still war, "habe ich mir die Hände gewaschen, mich aufs Bett gesetzt und eine geraucht", beschrieb der Angeklagte. Bevor er die Justizwache rief, schob er dem Toten noch ein Messer in die Hand, um einen Kampf vorzutäuschen. "Hatten Sie Angst vor ihm?", wollte die Richterin wissen. "Nein", antwortete der Häftling. "Er schilderte die Tat bei seiner Befragung mit einer Gleichgültigkeit, dass mir trotz des schwül-warmen Wetters ganz kalt wurde", schildert die Staatsanwältin.

"Absolut fehlende Empathie"

Der Gerichtspsychiater bescheinigte dem Angeklagten eine "sehr schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung", trotzdem sei er zurechnungsfähig gewesen. Er ging davon aus, dass der Kärntner "weiter zu schweren Taten, also auch Mord" neigen werde. Der Gutachter sprach sich für eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher aus.

Beim Angeklagten sei eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Anteilen und Narzissmus feststellbar, erklärte der psychiatrische Sachverständige Manfred Walzl. Der Kärntner könne seine Impulse nicht kontrollieren: "Solange Sie den roten Knopf nicht drücken, ist alles in Ordnung, sonst startet er wie eine Rakete", erläuterte der Gutachter.

Bei dem 34-Jährige stellte der Mediziner außerdem "absolut fehlende Empathie" fest. Aufgrund der "äußerst negativen Gefährlichkeitsprognose" empfahl der Gutachter eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Zuvor erläuterte Gerichtsmedizinerin Regina Gatternig die Verletzungen des Opfers. Sie beschrieb äußerst plastisch, dass der Angeklagte mit dem Tischbein derartig wuchtig auf sein Opfer eingeschlagen habe, dass "die rechte Schädelseite völlig zertrümmert war." Dabei kam es zu einem "massiven Hirnaustritt". Diese Schläge, bei denen das Tischbein zerbrach, erforderten eine "unermessliche Wucht", schloss die Sachverständige.

"Hab die Musik voll aufgedreht und hatte Kopfhörer auf" 

Am Nachmittag ist ein Zeuge befragt worden, der als dritter Häftling in der Zelle mit dem Täter und dem Opfer war. Er gab allerdings an, nichts von der Bluttat bemerkt zu haben. Erst nach dem Vorfall habe er "bis zur Decke" Blut gesehen. Er selbst habe Kopfhörer aufgehabt "und die Musik voll aufgedreht."

"Wie lange waren Sie alle in einer Zelle?", fragte Richterin Monika Schwingenschuh den Zeugen. "Ich habe kein gutes Zeitgefühl mehr, aber ich schätze, sieben bis zehn Tage", meinte der Befragte, der sichtlich angeschlagen wirkte. Streit habe er keinen mitbekommen. Vom späteren Opfer sagte er: "Er war ganz ruhig, er ist da gesessen und hat die Wand angeschaut, weil er keinen Fernseher gehabt hat." Am Abend der Tat habe er selbst einige Tabletten genommen - "die habe ich mir schon tagelang aufgespart" - sich aufs Bett gelegt, die Kopfhörer aufgesetzt und Musik gehört. Erst nach dem Vorfall habe er das Blut gesehen. Sagen konnte er aber nicht viel, denn "ich habe versucht, mit Medikamenten und anderem alles zu verdrängen."