Chronik | Österreich
16.07.2018

Misshandlungsverdacht in Grazer Spital: Kriminalpolizei ermittelt

Verbale und auch körperliche Angriffe stehen im Raum.

Die Staatsanwaltschaft Graz hat Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Misshandlungen durch vier Pfleger am LKH Graz Süd-West Standort Süd eingeleitet. Sprecher Hansjörg Bacher sagte am Montag auf APA-Nachfrage, dass die Kriminalpolizei bereits beauftragt wurde. Eine neue Mitarbeiterin - sie soll übrigens selbst Opfer von verbalen Attacken geworden sein - hatte die Vorfälle gemeldet.

Die Pfleger sollen über längere Zeit Frauen und Männer misshandelt haben. Sowohl von verbalen als auch von körperlichen Angriffen ist in der Sachverhaltsdarstellung zu lesen, sagte Bacher. Manche der betagten Opfer wurden namentlich genannt, andere müssen noch ermittelt werden. Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) hatte die Angaben der Mitarbeiterin vergangene Woche an die Behörden übermittelt.

Keine Schläge, nur "festes Zupacken"

Die Angestellte habe außerdem zugesichert, weitere Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Bisher seien die meisten Angaben "noch sehr vage", meinte der Staatsanwalt. Von Schlägen sei jedoch nicht die Rede, sehr wohl aber zum Beispiel von zu festem Zupacken, was in einem Fall etwa zu einer blutenden Verletzung geführt haben soll.

Erst am Samstag hatte Volksanwalt Günther Kräuter von seit Jahren bekannten Strukturmängeln in der Psychiatrie gesprochen: "Die Kommission der Volksanwaltschaft hat im LKH Graz Süd-West Standort Süd gravierende Missstände festgestellt, unter anderem zu wenig Personal, kaum bezahlte Fortbildungen, vernachlässigtes Deeskalationstraining, ausufernde Nebentätigkeiten der Fachärzte und eine desaströse bauliche Situation. Verbesserungen oder gar Strukturreformen sind offenbar unterblieben." Der KAGes empfahl er "dringend, die Missstände nun endlich zu beheben."