© Getty Images/Julie Clopper/istockphoto / Amazon Kartons vor einer Türe.

Chronik Österreich
09/26/2021

Mehrere Amazon-Verkäufer gehackt: Kritik am Shopping-Riesen

In den vergangenen Wochen wurden laut KURIER-Informationen unzählige Verkaufspartner beim Onlinehändler gehackt.

von Antonio Šećerović

Auf dem Amazon-Marktplatz befinden sich mehrere Händler, die über massive Betrugsmaschen auf der Plattform berichten. Einer davon ist die Tiroler Firma BANO Healthcare, die medizinische und pharmazeutische Produkte anbietet.

Anfang des Monats konnte die Firma nicht mehr auf ihr Amazon-Konto zurückgreifen. Die Hacker hatten ihre Daten wie Telefonnummer und eMail-Adresse geändert und ungehindert Tausende Fake-Artikel hochgeladen.

Tausende Fake-Produkte

Hochpreisige Elektrogeräte wie Poolreiniger oder Backöfen, mit regulären Preisen von bis zu 1.200 Euro, wurden zu stark verbilligten Preisen angeboten. Die Käufer bestellten so Ware, die sie nie sehen werden.

Laut Geschäftsführerin Eva Bano haben sich 500 verunsicherte Käufer gemeldet, insgesamt wurden mehr als 11.000 Fake-Produkte hochgeladen. Bano berichtet über einen finanziellen Schaden im fünfstelligen Eurobereich.

Betroffen ist auch die Firma Zwinkerfuchs aus Saarbrücken (Saarland). Mit ihrem Shop wurde versucht, Produkte im Wert von 500.000 Euro zu verkaufen. Dem KURIER ist auch eine betroffene Whirlpool-Firma aus Hamburg bekannt.

Nach erfolgter Bestellung stornieren die Betrüger diese, danach erhalten Kunden ein eMail, wonach sie die Bestellung erneuern können. Die Käufer werden dann aufgefordert, Geld auf ein bestimmtes Konto einzuzahlen, welches sich außerhalb Amazons befindet.

Die betroffenen Käufer zeigten ihre Unzufriedenheit mit schlechten Bewertungen. Firmen, die eigentlich 100 Prozent Kundenzufriedenheit hatten, bangen somit um ihr Image. Laut Amazon kann es noch lange dauern, bis diese schlechten Noten beseitigt werden.

Kaum Hilfe von Amazon

Die Firmen klagen über wenig Hilfsbereitschaft von Amazon. „Uns wurden entweder falsche Auskünfte erteilt, dass wir im Seller Central (Anm. Verkäuferzentrale) die Einstiegsdaten ändern sollten oder wir eine US-Nummer anrufen sollten“, schildert Bano.

Erst nach zwei Wochen reagierte Amazon und konnte Bano wieder Zugriff zum Konto verschaffen. Verkaufen darf die Firma noch nichts, da sie noch gesperrt ist. „Wir haben keinerlei Informationen von Amazon bekommen, wie viel eingezahlt und rückerstattet wurde, ob noch irgendwas offen ist etc. Kein Bild, kein Ton, typisch Amazon“, kommentiert die Geschäftsführerin.

Laut einem Amazon-Sprecher duldet der Onlinehändler die betrügerischen Aktivitäten in keiner Weise und schützte seine Kunden bei Bestellungen von Amazon-Verkaufspartnern. Allein im vergangenen Jahr soll die Firma über 700 Mio. US-Dollar für Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung investiert haben.

Mithilfe der A-Z-Garantie (Anm. für sicheren Einkauf) schütze man Kunden, die so die Erstattung des vollen Kaufpreises beantragen können, sofern die Zahlung auf einem Amazon-Konto erfolgte.

Heuer schon 340 Fälle

Aus Unternehmenskreisen hieß es, dass die Zahl der Betrugsfälle im Vergleich zum Vorjahr zurückging, offizielle Zahlen gibt es aber nicht. Dem Bundeskriminalamt sind zahlreiche Fälle von Betrügereien im Zusammenhang mit Amazon-Konten bekannt. Alleine in diesem Jahr wurden bereits 340 Fälle registriert.

Spur führt nach Kiew

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes gibt es auch Fälle von Betrügern, die Käufer per Mail informieren, dass die Ware vergriffen sei, jedoch noch bei einer anderen Firma gekauft werden kann. Die Kunden zahlen und bekommen die Produkte trotzdem nicht.

Die Firmen bekamen Mails von mehreren Betrügeradressen, u. a. aus Kiew. Die ukrainischen und polnischen Adressen wurden auf der Plattform Stopforumspam fast 100 Mal gemeldet.

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