Chronik | Österreich
28.04.2017

Medikamenten-Spuren in Pferdeleberkäse

Ein Pferdehändler soll jahrelang minderwertiges Fleisch verarbeitet und verkauft haben.

Er verwendete alte Pferde, er verwendete mit Medikamenten vollgepumpte Pferde, er verwendete Sportpferde. Ein steirischer Schlachtbetrieb-Besitzer soll jahrelang diese Tiere erworben, geschlachtet, verarbeitet und die Produkte an Lebensmittel- und Hundefutter-Hersteller verkauft haben.

Ins Rollen gebracht hat den Fall eine Amtstierärztin aus dem Gesundheitsministerium. 68 ungarische Pässe von getöteten Tieren aus dem entsprechenden Schlachthof eines 49-Jährigen aus Dörfla bei Gössendorf nahe Graz waren auf ihrem Schreibtisch gelandet. Bei genauerer Kontrolle stellte sie fest, dass alle gefälscht und die Pferde illegal nach Österreich importiert worden waren. Das steirische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Graz wurden alarmiert und Ermittlungen gegen den Unternehmer aufgenommen. Der führt einen Schlachtbetrieb und betreibt mit den Pferden auch international regen Handel.

"Er hat in Österreich in landwirtschaftlichen Zeitungen inseriert, um Pferde zu erwerben", sagt Ermittler Hannes Gaube. Pferdebesitzer ersparten sich die Kosten für Einschläferung und Entsorgung und der 49-Jährige wandelte die Pässe mit dem Vermerk "Nicht zur Schlachtung bestimmt" kurzerhand um, nimmt die Polizei an.

"Mindestens seit 2014"

Laut Gaube ist davon auszugehen, dass der steirische Schlachthof "zumindest seit dem Jahr 2014 kontaminiertes Fleisch verarbeitet und als Lebensmittel sowie Hundefutter verkauft haben dürfte". Zumindest vier Abnehmer soll er in der Steiermark gehabt haben. In einem Fall sei eine Verarbeitung zu Leberkäse nachgewiesen worden. "Da haben wir Medikamentenrückstände gefunden", betont Gaube.

Wie viele Pferde der Fleischer seit 2014 illegal geschlachtet und weiterverkauft haben soll, ist nicht bekannt. Aber dass der Fall internationale Dimensionen erreicht, schon: Bei einer Hausdurchsuchung am 20. März 2017 wurden Unterlagen gefunden, aus denen hervorgeht, dass allein heuer mehr als 100 Pferde nach Italien exportiert wurden.

Das österreichische Gesundheitsministerium will sich zu der Causa übrigens auf KURIER-Nachfrage nur dahingehend äußern, dass für Konsumenten nie eine Gesundheitsgefahr bestanden habe – "Selbst wenn die Lebensmittel mit Medikamenten kontaminiert waren."

Der Schlachthof ist indes weiterhin in Betrieb. Eine Schließung sei nur bei hygienischen Mängeln möglich, sagen die Behörden.