Chronik | Österreich
03.10.2018

Licht, Lärm, Gestank: Unfälle mit Wild deutlich reduziert

Punktuell genau ausgetüftelte Maßnahmen verringerten die Kollisionsgefahr auf ausgewählten Straßen in der Steiermark.

„Es gibt nicht eine Lösung, die eine Maßnahme, die überall wirkt“, beschreibt Wolfgang Steiner von der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU). Doch viele kleinere und einige größere Projekte zeigen, wie es gehen könnte: Seit 2014 wurde die Anzahl der Wildunfälle in der Steiermark je nach Straßenstück zwischen 25 und 66 Prozent reduziert.

Laut Statistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) passiert alle 38 Minuten ein solcher Unfall im Bundesland. 14.000 Wildtiere sterben, die Hälfte von ihnen Rehe. Im Vorjahr wurden 50 Menschen verletzt, als Wildtiere vor ihr Auto oder Motorrad sprangen; österreichweit gab es 293 Verletzte und sogar ein Todesopfer.

Seit 2014 bemühen sich Straßenerhaltungsdienst, Tierschützer und Jägerschaft gemeinsam, Strategien zu entwickeln. Wissenschaftlich begleitet von der BOKU wurden Landes- und Gemeindestraßen begutachtet, auf denen es häufig zu Zusammenstößen zwischen Kfz und Tier kommt.

Futterstelle verlegen

In fünf Testrevieren wurden danach punktuelle Methoden entwickelt, um das Problem zu entschärfen. „Das können optische Geräte wie Reflektoren sein, akustische Geräte, aber auch Duftstoffe“, beschreibt Projektleiter Steiner. „Aber genauso kann es sich um die Verlegung einer Futterstelle handeln, eine andere Bejagung, anderes Mähen.“ Das sei zeitintensiv und nur im Team von Straßenerhaltern und Jägern machbar, betont Steiner.

Viele Ideen wurden ausprobiert und an die Notwendigkeit angepasst. Entsprechend unterschiedlich sind die Ergebnisse: 600 Meter entlang der Glattjochbundesstraße wurde abschreckender Gestank eingesetzt dort gab es keinen Wildunfall mehr. Auf drei Kilometern an der Packer Bundesstraße kam Licht durch Reflektoren zum Einsatz die Unfälle sanken um 60 Prozent.

Das wissenschaftlich begleitete Projekt dauert noch zwei Jahre. Verkehrslandesrat Anton Lang, SPÖ, zieht aber bereits erste Konsequenzen: Er gab den Kauf von 21.500 Wildwarnreflektoren in Auftrag, die in 132 Jagdrevieren zum Einsatz kommen sollen. Damit werden 300 Kilometer Landes- und 20 Kilometer Gemeindestraßen abgesichert. Außerdem sollen auch akustische Geräte verwendet werden. Jedes Jahr sollen weitere Reviere dazu kommen. „Es hat Sinn gehabt, dass wir das Projekt begonnen haben“, überlegt Lang. „Wir müssen darauf schauen, dass der Straßenverkehr sicherer wird, müssen aber auch etwas für die Wildtiere tun.“

Das können aber auch die Kfz-Lenker, indem sie Hinweise beachten: Laut KfV ignorieren die meisten die Wildwechselschilder am Straßenrand. „Die sollten unbedingt ernst genommen werden“, mahnt ein Experte. „Sie sind dort positioniert, wo das Risiko einer Kollision tatsächlich deutlich erhöht ist.“

Was sonst noch helfen soll

Neben Reflektoren und Duftstoffen, die Wild von Straßen verjagen sollen, gibt es auch andere, eher kreative Ideen. Im italienischen Pavia setzt man auf Glitzern und Funkeln: Straßenpfosten wurden mit Kristallen bestückt. Derlei geschmückt, sollen sie  das Licht nahender Autoscheinwerfer brechen und zwar so, dass Rehe, aber vor allem Wildschweine Reißaus nehmen. Die  50 Glitzer-Pfosten sollen laut italienischer Medien 20.000 Euro gekostet haben.
Nicht glitzernd, aber wenigstens silberfarbenen und obendrein billiger ist die Variante Alufolie. Diese Methode ist bekannt und gängig: Baumstämme werden mit Streifen von Alufolie umwickelt, sie sollen ebenfalls Schweinwerferlicht reflektieren.
In Deutschland läuft ein Test mit speziellen Reflektoren, die  an Begrenzungspflöcke angebracht werden: Sie leuchten bei Bestrahlung in der Farbe von Verkehrsschildern und sollen Wildtiere vom Kreuzen der Fahrbahn abbringen.