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Chronik Österreich
12/05/2011

KURIER-Bildungsreport: Wunder Kind

Im rasenden Tempo die Welt erobern: Babys, die im Bauch von Mama lernen. Ist Bildung wirklich kinderleicht?

No, No, No, Señorita!" Diesen Satz bekommt man von der zweijährigen Julia Schwarz öfters zu hören. Nicht nur, wenn ihr etwas gegen den Strich geht. Hauptsächlich deshalb, weil es einer ihrer Lieblingssätze auf Spanisch ist. Jener Sprache, die das Wiener Mädchen seit seiner Geburt neben der Muttersprache Deutsch täglich hört.

Der Blondschopf hat den Satz von ihrem Au-Pair-Mädchen Jenny gelernt, das nicht nur viel mit ihr spielt, singt und lacht, sondern ihr auch ganz nebenbei die Fremdsprache beibringt. Bisher sind es nur einzelne Worte, "doch die klingen genauso wie bei spanischen Kleinkindern", weiß Jenny. Die 26-jährige Kolumbianerin ist bereits das zweite Au-pair, das Andrea Schwarz-Rabsch und ihr Mann für ihre Kleine in der Familie willkommengeheißen haben. "Mir ist es wichtig, dass Julia so viel wie möglich aufnimmt, solange sie Spaß daran hat, und es ihr leicht fällt."

Schwarz-Rabsch denkt dabei an ihre Schulzeit, in der sie sich mühsam Sprachen aneignen musste, "Julia soll es da einmal leichter haben". Wichtig ist es ihr, jetzt bei Spanisch zu bleiben, um die Tochter nicht zu verwirren. Nach und nach soll auch Englisch durch einen Sprachkurs dazufließen.

Compañero

"Der Spaß muss aber immer im Mittelpunkt stehen. Sobald ich merke, dass sie keine Lust mehr dazu hat, ziehe ich die Notbremse", stellt die Mutter klar. Doch noch sieht man Julia das Vergnügen an der Sprache deutlich an. "Jenny und ich versuchen, mit Julia Bücher anzuschauen und ihr die Begriffe auch auf Spanisch zu erklären, damit sie ein Bild zum Wort hat." Außerdem wird viel gesungen. "Compañero", ein Wort aus der spanischen Version des Kinderliedes "Bruder Jakob," mag Julia ebenfalls sehr gerne. So lernt das wissbegierige Mädchen jeden Tag neue Worte in beiden Sprachen und "ich lerne ebenfalls von Julia", freut sich die junge Kolumbianerin, die auch Deutsch kann.

Geheimsprache

Der zweijährige Johann und die vierjährige Anna Maria hatten ebenso seit ihrer Geburt Kontakt zur spanischen Sprache. "Anna Maria hat zwar später zu sprechen begonnen als andere Kinder ihres Alters, aber dafür dann gleich in beiden Sprachen", berichtet Loisi Rieser, Mutter der beiden. Der jüngere Johann lernte schneller als seine Schwester, da sie oft fremde Wörter zwischen ihm und dem Au-Pair-Mädchen übersetzte. Mittlerweile unterhalten sich die Kleinkinder mit ihrer Nanny fließend auf Spanisch - die Eltern verstehen davon nichts mehr. Auch der Geschwisterstreit spielt sich inzwischen abseits der elterlichen Ohren ab.

"Ich fürchte mich schon vor der Zeit, wenn sie neben uns Dinge aushecken, ohne dass wir etwas davon mitbekommen", lächelt Loisi Rieser über die Schattenseiten der mehrsprachigen Kinder. Bereits jetzt bleibt der Mutter manchmal nur ein fragender Blick: "Reichst du mir bitte eine caracol?", hörte sie vom Töchterchen und bekommt später erklärt, dass Anna Maria nach einer Schnecke fragte.

Nächste Woche erwartet die Familie bereits das fünfte spanischsprachige Mädchen. "Für die Kinder ist es keine Belastung, das Spanische läuft von alleine. Das ist ein guter Grundstock für viele andere Sprachen", so Rieser. Ihre Kinder sind ohnehin schon dreisprachig. Neben Spanisch und Deutsch sprechen sie auch fließend Tirolerisch.

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