Chronik | Österreich
06.06.2018

Kunden planen den 40-Millionen-Neubau des Hallenbads

Bürgerrat zu „Hallenbad neu“ in Klagenfurt wird aus Kartei des Betreibers Stadtwerke ausgewählt

Der Bürgerrat als Instrument der Entscheidungshilfe wird immer populärer, müssen sich doch Politiker nicht mehr von der Öffentlichkeit prügeln lassen, wenn ein Projekt schief läuft. Klagenfurt geht bei der seit Jahren heiß diskutierten Frage, wo das neue Hallenbad errichtet und wie es ausgestaltet werden soll, aber einen Schritt weiter: Den Beirat bilden nicht aus dem zentralen Melderegister ausgewählte Personen, sondern aus der Mitgliederkartei des Hallenbadbetreibers und Energielieferanten Stadtwerke.

Am Klagenfurter Hallenbad nagt längst der Zahn der Zeit. Jeder namhafte Stadtpolitiker hat sich mit Äußerungen zum Neubau bereits die Finger verbrannt: Einmal sollte es ein Wasserrutschenparadies werden, dann ein Wellnesstempel, ein Familienbad oder ein zur Austragung internationaler Wettkämpfe geeignetes. Bis heute konnte man sich nicht einmal auf den Standort einigen.

„Datenschutz“

Die SPÖ-ÖVP-Grün-Koalition hat sich nun entschlossen, die wichtigsten Entscheidungen dem Volk zu überlassen und Medienberater Peter Plaikner beauftragt, die Gründung eines Bürgerrates aus „zufällig“ ausgewählten Klagenfurtern vorzubereiten. „Aufgrund der neuen Datenschutzverordnung war aber Vorsicht geboten. Es war uns nicht möglich, das Einwohnermelderegister der Stadt zu nutzen, daher haben wir die Kundenkartei der Stadtwerke gewählt. 300 zufällig auserkorene Kunden werden dieser Tage eine Einladung erhalten, sich an dem Bürgerrat zu beteiligen“, berichtet Plaikner.

Es ist davon auszugehen, dass weniger Bus- oder Stromkunden Interesse haben werden, das „Hallenbad neu“ mitzugestalten, sondern vielmehr die in der Stadtwerke-Kartei ebenso registrierten Hallenbad- und Strandbad-Saisonkartenbesitzer, die elektronisch erfassten Schwimmer, Triathleten und Saunagäste. 15 Menschen werden schließlich den Bürgerrat bilden. „Wir passen schon auf, dass nicht unbedingt der prominente Triathlet oder der Präsident der Saunagänger im Rat sitzen, denn das würde die Entscheidungsfindung verzerren“, sagt Plaikner.

Standortfrage offen

Die Resonanzgruppe wird die Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle begleiten. „Unter Einbindung von Experten soll der Bürgerrat binnen weniger Woche einen Vorschlag erarbeiten, wie das neue Bad aussehen und wo es errichtet werden soll“, erklärt sie. Die Vorgaben der Stadt: Der Neubau darf 40 Millionen Euro kosten, er muss ein 50-Meter-Schwimmbecken enthalten sein und ein reiner Wellness-Tempel ist tabu. Vier Standorte stehen zur Wahl: das Messegelände, der Sportpark beim Wörthersee-Stadion, das Areal neben Minimundus und die Wörthersee-Ostbucht.

Bereits am 3. Juli soll der Bürgerrat den Vorschlag im Rahmen eines „Bürgercafés“ der Öffentlichkeit präsentieren. Dann wird es sich weisen, ob die Klagenfurter den Beirat als meinungsbildenden Querschnitt der Stadtbürger akzeptieren oder lediglich als Meinungsäußerung der Stadtwerkekunden.