Chronik | Österreich
28.09.2018

Keine Rente für Missbrauchsopfer: Höchstrichter entscheiden

Von der Klasnic-Kommission erhielt ein Steirer Geld. Wegen staatlicher Unterstützung zieht er vor Verfassungsgerichtshof.

Im Firmunterricht sei er sexuell missbraucht worden, klagt der 52-Jährige. Das war in den 1980er-Jahren, mutmaßlicher Täter: der Pfarrer. Von der Opferschutzkommission, nach ihrer Leiterin Waltraud Klasnic auch Klasnic-Kommission genannt, bekam der Steirer 15.000 Euro zugesprochen, eine „Gestenzahlung“. Doch um die Opferrente fällt er um, die Übergriffe nicht in einem Heim passierten.

Das wollen weder der 52-Jährige noch die „Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt“ so hinnehmen. „Wieso erhalten Opfer von Misshandlungen in kirchlichen Kinder- und Jugendheimen eine Rente, aber solche von Pfarrern nicht?“, warfen sie am Donnerstag in einer Stellungnahme eine brisante Frage auf. Eine, die die Höchstrichter beantworten müssen: Der Steirer will mit seinem Fall zum Verfassungsgerichtshof gehen.

Heime bevorzugt

300 Euro monatlich beträgt die staatliche Opferrente für jene Menschen, die in Heimen misshandelt oder missbraucht wurden. Das Gesetz bevorzugt Betroffene, die in staatlichen, kirchlichen oder privaten Heimen oder auf Pflegeplätzen untergebracht waren, wie es in einer Stellungnahme der Bundesregierung gegenüber dem ORF am Donnerstag hieß. Das habe mit der „besonderen Schutzwürdigkeit“ dieser Gruppe zu tun: „Diese Kindern waren, meist zwangsweise, im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe von ihren Familien getrennt. Eine effektive Unterstützung durch ihre Angehörigen gegen systematische Misshandlungen schieden von vornherein aus.“

Durch eine Gesetzesänderung vom Juni sind auch Übergriffe in Krankenanstalten eingeschlossen. Die Plattform argumentiert, dass auch Übergriffe im Firmunterricht ebenso lebenslang traumatisieren: Der Steirer sei deshalb erwerbsunfähig.