Locally produced chicken drumsticks, priced at 5.60 BAM ($3.75), are displayed at a FIS supermarket in Vitez March 13, 2012. REUTERS/Dado Ruvic (BOSNIA AND HERZEGOVINA - Tags: BUSINESS FOOD)

© Reuters/DADO RUVIC

Keine akute Gefahr
03/15/2013

Antibiotika-Putenfleisch kam nach Österreich

Mit Antibiotika stark kontaminiertes Putenfleisch wurde aus Rumänien nach Deutschland geliefert und gelangte teilweise nach Österreich.

Der nächste Zwischenfall rund um Nahrungsmittel: Mit Antibiotika stark kontaminiertes Putenfleisch wurde offenbar aus Rumänien nach Deutschland geliefert und gelangte schließlich zumindest teilweise nach Österreich. Das Verbraucherschutzministerium des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen veröffentlichte am Freitag eine diesbezügliche Warnung. Mehr als 19 Tonnen seien über einen deutschen Betrieb im Landkreis Warendorf in mehrere deutsche Bundesländer gelangt, aber zu einem Teil auch nach Österreich und Großbritannien. Die Grenzwerte für Antibiotika seien deutlich überschritten worden. Bei der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erklärte man Freitagabend, es hätte eine Warnung gegeben. Man hätte die notwendigen Schritte gesetzt.

Von der AGES hieß es Freitagabend außerdem dazu: "Wir wissen, wie viel von dem Putenfleisch nach Österreich gelangt ist. Es waren Mitte Dezember (2012, Anm.) drei Mal 600 Kilogramm. Sie gingen an einen Betrieb in Niederösterreich und an einen Betrieb in Wien. Das Fleisch ist nicht in den Handel gekommen. Es war nicht gesundheitsschädlich. Es handelt sich um einen Verstoß gegen die 'Rückstandsverordnung," sagte ein Sprecher. Offenbar dürften die 1800 Kilogramm Putenfleisch, das ursprünglich aus Rumänien stammte, ausschließlich für die Weiterverarbeitung bestimmt gewesen sein.

Keine akute Gesundheitsgefährdung

Durch zwei Eigenproben eines Kunden und des Verarbeitungsunternehmens selbst Ende Februar und Anfang März wurden die Belastungen festgestellt und den zuständigen Behörden gemeldet. In den Proben sei ein Gehalt von 1.832 Mikrogramm je Kilogramm Fleisch und von 2.771 Mikrogramm je Kilogramm des "Reserve-Antibiotikums Enrofloxacin" festgestellt worden, obwohl eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des rumänischen Exporteurs vorgelegen sei. Bei Enrofloxacin handelt es sich um ein Antibiotikum aus der Klasse der Gyrasehemmer, die gegen bakterielle Infektionen eingesetzt werden. Die Verwendung in der Geflügelzucht ist in den vergangenen Jahren immer häufiger kritisiert worden. Die deutschen Behörden: "Gemäß EU-Verordnung Nr. 37/2010 ist die Rückstandshöchstmenge für den pharmakologisch wirksamen Stoff Enrofloxacin von 100 Mikrogramm pro Kilogramm in den vorliegenden Proben mehrfach überschritten worden."

Eine akute Gesundheitsgefährdung durch den Konsum des belasteten Putenfleisches besteht nach derzeitigem Wissensstand nicht. Allerdings besteht der Verdacht, dass durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der Tiermast das Entstehen und das Wachstum von multiresistenten Keimen begünstigt wird.

Nach derzeitigen Stand der Ermittlungen hat im Juni 2012 eine Handelsfirma aus Münster bei einem rumänischen Lieferanten etwa 19,5 Tonnen Putenbrust roh/tiefgefroren erworben. Diese Ware wurde direkt an einen Weiterverarbeiter im Kreis Warendorf geliefert. In dem Betrieb im Kreis Warendorf wurde die Ware unter anderem zu Großpackungen von 2,5 Kilogramm „Putenbrust, gebraten, Tandoori, mariniert, in Streifen“ weiterverarbeitet und in mehrere Bundesländer sowie nach Österreich und Großbritannien ausgeliefert. Beliefert wurden Caterer, Zwischenhändler und weitere Großhändler. Der Großteil der Belieferung innerhalb Deutschlands (rund 15 Tonnen) erfolgte nach Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen.

Nach den zwei Eigenproben erfolgte eine Sperre der noch vorhandenen Ware beim Unternehmen in Münster am 7. März 2013.

Laut den deutschen Behörden wurden im Zuge einer EU-Schnellwarnung auch Österreich und Großbritannien über den Sachverhalt informiert. Derzeit werden die Lieferlisten innerhalb Deutschlands ausgewertet.

Enrofloxacin

Enrofloxacin ist ein sogenanntes Chinolon der zweiten Generation, welches laut dem Schweizer Tiermedizin-Portal "Vetpharm" seit 1983 ausschließlich in der Veterinärmedizin verwendet wird. Der Wirkstoff stellt ein Breitband-Antibiotikum dar, das sowohl gegen sogenannte gramnegative als auch gegen sogenannte grampositive Bakterien (eingeteilt nach Färbemethoden) wirkt. Enrofloxacin gehört zur Gruppe der Fluorchinolone - weltweit sind sie unter den häufigsten beim Menschen verwendeten Antibiotika zu finden. Diese Wirkstoffe blockieren die Gyrase-Enzyme von Bakterien, welche für das Verpacken der Erbsubstanz der Keime bei der Vermehrung verantwortlich sind. Enrofloxacin wird im Organismus zum eigentlichen Wirkstoff Ciprofloxacin umgewandelt. Letzteres ist eines der bekanntesten in der Humanmedizin verwendeten Antibiotika.

Der weltweit häufige Gebrauch dieser Medikamente hat aber auch zur Verbreitung resistenter Keime geführt. In Österreich wurde in der Humanmedizin beispielsweise ein Anstieg gegen Ciprofloxacin unempfindlicher Bakterien besonders ab dem Zeitpunkt registriert, ab dem die Arzneimittel nicht mehr patentgeschützt waren und vermehrt billigere Nachahmepräparate auf den Markt kamen. Die Verwendung in der Veterinärmedizin steht seit Jahren in Kritik.

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