Dem Land Kärnten gehen die Ärzte aus, die Versorgung ist in Gefahr

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Kärnten
12/04/2015

Kassenstellen bleiben unbesetzt

Überalterung im Bereich der Kassenärzte. Kammer ortet Versorgungsengpass.

von Thomas Martinz

58 Jahre – so alt ist im Schnitt ein Kassenarzt in Kärnten. Damit ist das Bundesland zumindest in dieser Kategorie österreichweit Spitzenreiter. Kinderärzte sind hier im Schnitt 60,4 Jahre alt, Internisten 61,3, Urologen 63,2. In den nächsten vier Jahren erreichen mehr als die Hälfte der 457 niedergelassenen Mediziner das 65. Lebensjahr und damit das Pensionsantrittsalter. Hauptsächlich betroffen von der Pensionswelle sind die 256 Landärzte. Die Kärntner Ärztekammer spricht vom "Landärztesterben" und einer "dramatischen Situation für die Gesundheitsversorgung."

Die Gründe für die Überalterung sind vielschichtig: Seit Jahren besteht ein Mangel an Turnusärzten, weil diese abwandern. "Außerdem entscheiden sich in Kärnten viele Fachärzte erst mit 55 plus wegen der hohen Frustration in den Spitälern für einen Wechsel in die Niederlassung. Da ist die baldige Pensionierung absehbar", erklärt Ärztekammerpräsident Josef Huber. Und die Problematik im ländlichen Bereich wird stetig deutlicher. "Früher waren pro Jahr zehn Stellen nachzubesetzen. In den vergangenen sieben Monaten waren es 60", schildert Kammeramtsdirektor-Stellvertreter Klaus Mitterdorfer. In Brückl, Kötschach-Mauthen, Bad Bleiberg oder Heiligenblut mussten Stellen mehrmals ausgeschrieben werden. Die Kammer wird selbst aktiv, nimmt Kontakt mit Ärzten auf und versucht, ihnen die Eröffnung einer Landpraxis schmackhaft zu machen. Ohne Hausapotheke fehle aber auch die Perspektive.

Anreize der Gemeinden

So ist in Griffen seit neun Monaten eine von zwei Kassenstellen unbesetzt. "Auf 3600 Einwohner kommt ein Arzt, da hören wir viel Kritik aus der Bevölkerung. Eine Medizinerin zeigt jetzt Interesse, die Gemeinde stellt ihr gratis Parkflächen zur Verfügung", sagt Griffens Bürgermeister Josef Müller. Eine Stelle in Eisenkappel ist seit Juni unbesetzt, nun erfolgt die vierte Ausschreibung. "Kein Jungarzt geht das finanzielle Risiko ohne Hausapotheke ein", weiß Eisenkappels Bürgermeister Franz Josef Smrtnik. Das Wartezimmer des einzigen Allgemeinmediziners, Juraj Pajed, ist somit täglich überfüllt. Er stellt ab Jänner eine Ärztin ein.

Um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, überlegen Kammer und Gebietskrankenkasse die Schaffung einer Erschwerniszulage für Landärzte. Aber auch die Politik sei gefordert, heißt es. Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) spielt den Ball zurück: "Primary-Health-Care-Modelle würden die Versorgung am Land sichern. Das Projekt wird aber von Kammer und Sozialversicherung blockiert."

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