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Chronik Österreich
06/10/2021

Kärntnerin starb wegen verseuchter Blutspende: Prozess vertagt

Hinterbliebene fordern 33.800 Euro von Blutspenderin, Rotem Kreuz und Mitarbeiter. Nun wird ein Gutachter gesucht

Nachdem im Frühjahr 2019 eine 84-jährige Frau wegen einer mit Malaria kontaminierten Blutkonserve gestorben ist, ist am Donnerstag ein Zivilprozess am Landesgericht Klagenfurt fortgesetzt worden. Zwei Hinterbliebene fordern 33.800 Euro von der Spenderin, dem Roten Kreuz und einem Mitarbeiter. Die Verhandlung wurde vertagt, bis zum nächsten Verhandlungstag soll ein Gutachten erstellt werden.

Als Zeugen waren am Donnerstag die vier Kinder der 84-jährigen Frau geladen, die wegen einer Hüftoperation im Krankenhaus war. Zwei der vier sind Kläger im Prozess. Auf die Frage von Richter Gunther Schmoliner, ob die Verstorbene noch gut beieinander gewesen sei, antwortete einer der Kläger: „Ja, bis auf die Hüfte, absolut.“

Bis zur Operation fit

Auch eine Zeugin betonte, dass es der Mutter bis zur Hüftoperation gut gegangen sei, sie sei selbst mit dem Auto ins Krankenhaus gefahren. „Sie war noch total selbstständig, auf nichts angewiesen.“ Daher sei der Tod auch ein so großer Schock für alle gewesen.

Auf die Frage des Richters, ob sich das Rote Kreuz bei ihr gemeldet hätte, antwortete sie: „Nein, gar nicht, in keiner Weise.“ Auch einer der Kläger verneinte diese Frage des Richters. Auf Nachfrage eines Vertreters der Beklagten, warum sich die Zeugin nicht der Klage angeschlossen habe, entgegnete sie, dass sie keine Rechtsschutzversicherung habe.

Einer der Kläger wies noch einmal auf die Unsicherheit bezüglich des sich verschlechternden Zustands der Verstorbenen nach der Operation hin: „Niemand hat gewusst, warum es ihr immer schlechter ging, auch nicht im Krankenhaus.“ Eine Virologin habe von sich aus untersucht, ob Malaria im Blut sei.

„Ich weiß nicht, was man sonst als Todesursache angegeben hätte, wenn sie das nicht gemacht hätte, wahrscheinlich multiples Organversagen. Das hat uns auch ein Arzt im Krankenhaus gesagt.“

Gutachten aus Strafprozess

Nach der Einvernahme der vier Zeugen hätte es mit einem Gutachten aus dem Strafprozess weitergehen sollen. Dieses ist aber nicht von allen Seiten akzeptiert worden. Daher soll nun ein neues Gutachten aus dem Themengebiet Virologie/Tropenmedizin eingeholt werden. Da es nicht viele Expertinnen oder Experten in diesem Bereich in Österreich gibt, wurde der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt.

Die mittlerweile wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Blutspenderin hatte 2019 im Fragebogen vor der Blutspende angegeben, nicht im Ausland gewesen zu sein. Dabei war sie zwei Wochen vorher in Uganda gewesen. Kurz nach der Spende erkrankte sie an Malaria und wurde mit der Rettung ins Spital gebracht.

Dem Rotkreuz-Mitarbeiter sagte sie während des Transports, dass sie Blut gespendet hatte. Der Mann soll das entgegen seiner Beteuerung nicht an die Blutspendezentrale weitergeleitet haben. Die 84-jährige Hüftpatientin bekam das infizierte Spenderblut und starb im März 2019 an Malaria

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