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Chronik Österreich
04/07/2021

Kärntner Senioren um mehr als 50.000 Euro betrogen: 20 Monate Haft

24-Jähriger gestand, mit Unfalltrick gearbeitet zu haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Ein 24-jähriger Pole ist am Mittwoch wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs und krimineller Vereinigung von einem Schöffensenat am Landesgericht Klagenfurt zu 20 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Der Mann hatte zugegeben, mit dem sogenannten Unfalltrick Pensionisten in Kärnten um mehr als 50.000 Euro betrogen zu haben. Der 24-Jährige nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

Mit dem Unfalltrick waren Betrüger vergangenen Sommer und Herbst gleich mehrere Male in Kärnten erfolgreich gewesen. Dabei werden ältere Menschen angerufen, ihnen wird von einem vermeintlichen Polizisten mitgeteilt, dass ein Sohn oder eine Tochter von ihnen einen Verkehrsunfall ausgelöst hätte und nun eine hohe Kaution bezahlen müsste, um nicht ins Gefängnis zu müssen.

Der 24-Jährige hatte die Aufgabe, das Geld von den Verwandten abzuholen. Einmal erbeutete er 10.000, einmal 17.600 und einmal 26.000 Euro - als er von einem weiteren Opfer mehr als 43.000 Euro übernehmen wollte, wurde er festgenommen.

Risiko bewusst

Der Angeklagte beschönigte in seinen Aussagen nichts: „Mir war klar, dass ich dabei viel riskiere und dass Leute betrogen werden. Ich habe auch vermutet, dass ich vielleicht ins Gefängnis muss, wenn ich erwischt werde“, sagte der Angeklagte auf entsprechende Fragen des vorsitzenden Richters Manfred Herrnhofer.
Er habe aber nicht allein gehandelt, vielmehr habe er nur das Geld abgeholt und pro Tat 500 Euro bekommen.

Die Anrufe hätten Komplizen getätigt, zu denen er aber keine Angaben machen wollte: „Ich habe Angst um meine Familie, um meine Kinder.“ Herrnhofer wollte daraufhin wissen, wieso er sich dann mit solchen Leuten einlasse: „Das sind ja Schwerverbrecher!“ „Meine finanzielle Situation hat mich dazu gezwungen“, meinte der 24-Jährige.

"War total betroffen"

Wie professionell und perfide die Täter vorgingen, wurde durch die Aussagen der Opfer vor Gericht deutlich. Sie alle berichteten von einem Anrufer mit hochdeutscher Aussprache, der ihnen erklärt habe, dass ihre Tochter einen Unfall gehabt habe - weil ihr Auto nicht versichert gewesen sei, müsse sie nun eine hohe Kaution hinterlegen.

Im Hintergrund hörten die Opfer eine Frau schluchzen: „Ich war total betroffen, wie ich das gehört habe“, erzählte eine 74-jährige Frau. Der Täter hätte sie richtig gedrängt, Geld aufzutreiben. Erst verlangte er mehr als 70.000 Euro, schließlich erklärte er sich bereit, auch weit weniger zu akzeptieren.

Offensichtlich hatten die Täter für alle Situationen einen Plan, wie das Gespräch abzulaufen hatte: Meinte eines der Opfer, es könnte Geld von einem Nachbarn ausleihen, erklärte der vermeintliche Polizist, dass wolle die Unfallverursacherin nicht. Außerdem hätte diese gesagt, dass ihre Eltern unter keinen Umständen anderen Leuten von dem Unfall erzählen sollten, lautete eine weitere Anweisung.

Geld weg

Der Geldbote war schließlich nur deshalb aufgeflogen, weil die Haushaltshilfe einer 86-jährigen Frau Alarm schlug, als diese von den Betrügern angerufen wurde. Das Einsatzkommando Cobra schritt direkt bei der Übergabe ein.

Wie Richter Herrnhofer in seiner Urteilsbegründung sagte, würden eine Reihe von Erschwerungsgründen vorliegen. Die Betrüger hätten eine Notsituation geschaffen, seien besonders heimtückisch vorgegangen und hätten die Wehrlosigkeit der Opfer ausgenützt, die alles tun wollten, um ihren Kindern zu helfen. Es handle sie hierbei um Schwerkriminalität und der 24-Jährige habe als Geldbote auch keine untergeordnete Rolle gespielt.

Das erbeutete Geld dürfte übrigens weg sein - wie der Angeklagte angab, habe er es sofort nach den Taten nach Polen gebracht und seinen Komplizen übergeben. Von Verwandten habe er aber immerhin 5.000 Euro bekommen, die nun unter den Betrugsopfern aufgeteilt werden sollen.

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