Chronik | Österreich
24.03.2017

Kärnten und Steiermark testen App für Österreich-Ticket

Fünfmonatiger Pilotversuch für 500 ÖBB-Österreich-Card-Besitzer mit kostenlosem Upgrade auf alle Verkehrsverbünde in beiden Bundesländern.

Die ÖBB, Kärnten und Steiermark testen ab Juni mit 500 freiwilligen Öffi-Nutzern eine App, die bei der Analyse des Mobilitätsverhaltens helfen soll. Dies gaben Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ), die Landesräte Rolf Holub (Grüne) und Anton Lang (SPÖ) sowie ÖBB-Vorstand Valerie Hackl am Freitag in Graz bekannt. Der fünfmonatige Pilotversuch könnte einem österreichweiten Ticket vorausgehen.

Minister Leichtfried sagte, es sei sein Ziel, so viele Menschen wie möglich in die Öffis zu bringen: „Die ersten und die letzten Schritte am Weg erfolgen zu Fuß – wir müssen die Knotenpunkte im öffentlichen Verkehrs so organisieren, dass der Ablauf rasch und bequem ist“. Für die vom AIT entwickelte APP sollen 500 ÖBB-Österreich-Card-Besitzer gewonnen werden. Diese können ohne zusätzliche Kosten alle Verkehrsverbünde in den zwei Bundesländern benützen. Die App analysiert die unterschiedlichen Wege der Fahrgäste, registriert Wegstrecke, CO2-Verbrauch und dokumentiert das gebrauchte Verkehrsmittel.

"Einheitliche Netzkarte"

„Wir kriegen Auskünfte über den Zubringerverkehr, können neue Potenziale erkennen, neue Routen und Fahrplanabstimmungen finden“, sagte Leichtfried. Mit den Testergebnissen könnten Öffis attraktiver werden. „Das sind Entscheidungsgrundlage für die künftige Verkehrspolitik und Verkehrsplanung. Ich denke, nein, ich bin überzeugt, wir brauchen in Österreich in Zukunft eine einheitliche Netzkarte für alle Öffis“, sagte der Minister. In dem Pilotversuch werde getestet, wie dies bundesländerübergreifend durchgeführt werden kann.

Der steirische Verkehrslandesrat Lang sagte, jährlich steigende Fahrgastzahlen im Verkehrsverbund Steiermark würden auch neue Erkenntnisse erforderlich machen. Der Pilotversuch könnte in weiterer Folge auch über Österreich ausgerollt werden. „Das Land Steiermark erwartet sich aus diesem Projekt Erkenntnisse, inwieweit diese Technologie künftig für die Erhebung von Mobilitätsverhalten oder für die Einnahmenaufteilung, in fernerer Zukunft vielleicht sogar für Ticketing genutzt werden kann“, sagte Lang.

Bewegungsprofile

Kärntens Verkehrslandesrat Holub räumte ein, natürlich gehe es bei den Erkenntnissen, die über die App gesammelt werden, um Bewegungsprofile und betonte die Wichtigkeit des Datenschutzes. Gleichzeitig gab es Lob für die vom AIT entwickelte Anwendung: „Das ist ein ganz gescheites Ding, die App erkennt Motorgeräusche und ordnet sie zu“.

ÖBB-Personenverkehrs-Vorstand Hackl erklärte, es gehe nicht nur um den Weg von Bahnhof zu Bahnhof. „Es geht um Verkehrsketten. Wir testen Technologie, die wir für morgen vorbereiten wollen und dabei selbstredend sämtliche Datenschutzgesetze einhalten“. Die Erkenntnisse könnten zur Verbesserung von Fahrplänen und Anschlüssen dienen. Leichtfried ergänzte, der Pilotversuch diene auch zur Klärung, was mit Apps möglich sei. Es müsse bei solchen Projekten in weiterer Folge ja auch zu einer fairen Kostenverteilung kommen. Die Auswertung werde laut Hackl 2018 abgeschlossen sein.