Kärnten: Kidnapping wegen offener Löhne

Die Seite eines österreichischen Polizeiautos mit der Aufschrift „Polizei“.
Bauarbeiter wollten bloß ihren Lohn vom Chef. Daraus wurde eine Geiselnahme mit grenzüberschreitender Polizeiaktion.

In Villach tagte der Krisenstab, in Ljubljana ebenfalls. Beiderseits der Grenze gingen Polizei-Sondereinheiten in Stellung. Denn am Freitag war ein 32-jähriger Bauunternehmer aus Villach gekidnappt worden. Nach einem "doppeltem Zugriff" war Samstagvormittag der Geschäftsmann wieder in Sicherheit, die Entführer hinter Gittern. Es handelt sich um vier Bosnier, die angeblich nur ihren Lohn und Werkzeug von ihrem Ex-Chef haben wollten.

Die vier Bosnier wollten sich Freitag gegen 14 Uhr mit dem Unternehmer an einer Tankstelle in Villach treffen. Angeblich war er ihnen noch 30.000 Euro schuldig. Der Mann ahnte offenbar Böses. Er vereinbarte mit seiner Lebensgefährtin, dass er telefonisch mit ihr in Kontakt bleiben werde. Als die Frau versuchte ihn zu kontaktieren, meldete sich erst nach mehreren Versuchen am Handy des Kärntners plötzlich eine fremde Männerstimme: "Ich habe ihn in der Hand und fahre mit ihm nach Bosnien. Wenn du nicht das Geld auftreibst, siehst du ihn nie wieder", lautete sinngemäß die Botschaft. Darauf alarmierte die Frau die Polizei.

Führungsstab

Eine Karte zeigt den Weg eines entführten Kärntners von Villach nach Ljubljana und die anschließende Befreiung.

Obwohl es sich laut Kärntner Polizei nicht um "Entführungsprofis" handelte, wurde ein Führungsstab mit Stadtpolizeikommando Villach, Landeskriminalamt sowie Bundeskriminalamt in Wien und Ljubljana, "Verhandlungsgruppe Süd" im Innenministerium, "Cobra" und Observationsgruppe gebildet. Ebenfalls beigezogen wurde der österreichische Polizeiattachè in Slowenien.

"Es war zu befürchten, dass sich die Verdächtigen mit ihrem Opfer nach Bosnien absetzen oder ihm vor ihrer Flucht Gewalt antun würden", beschrieb der Kärntner Polizeisprecher Rainer Dionisio die Situation. Die Exekutive löste dann eine grenzüberschreitende Fahndung nach einem – von Zeugen an der Tankstelle beobachteten – Renault Scenic mit slowenischem Kennzeichen aus. Bei weiteren Telefonaten mit dem Entführer wurde klar, dass er und seine drei Komplizen mit der Geisel bereits in Laibach waren.

Gegenüber den Polizei-Verhandlern reduzierten die Kidnapper ihre Geldforderung ein wenig, verlangten aber noch die Herausgabe von Werkzeug – offenbar wollten sie haben, was ihnen vermeintlich zustand.

"Sonntagfrüh wurde eine Zug-um-Zug-Übergabe, Opfer gegen Geld" an der Grenze vereinbart", berichtete Dionisio. Alles war für die Übernahme schwer bewaffnet in Stellung gegangen, als die slowenische Polizei aufgrund von Fotos und Beobachtungen zwei der Täter samt Geisel in einem Gasthaus in Laibach orten konnte.

 

Aufsehen


In einem doppelten Zugriff – an der Grenze im Bereich Kranj und im Gasthaus – wurden die Geiselnehmer festgenommen und der Villacher befreit. Die Aktion verlief unblutig, es wurde niemand verletzt.

Dennoch erregte der Einsatz großes Aufsehen: Die Männer wurden direkt an der Autobahn in Handschellen gelegt und kauerten danach auf der Böschung. Alle Bosnier wurden in U-Haft genommen, auch der Villacher befindet sich noch in Obhut der slowenischen Behörden.

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