Chronik | Österreich
05.08.2018

Hitzewelle: Wer von den hohen Temperaturen profitiert

Elektrohändler finden das Schwitzen zum Jubeln: Viele Klimageräte sind ausverkauft. Auch Wasser und Eis sind gefragt.

„Es gibt eine extreme Nachfrage nach Klimageräten, wenn es mehr als 30 Grad hat und die Hitze länger als drei Tage dauert“, doziert Elektrohändler Philip Lefkowits. Es ist neun Uhr Früh, die Temperatur beträgt bereits 28 Grad und vor seinem Geschäft sind die Mitarbeiter gerade dabei, die Verkaufsschlager Nr. 1 im Eingangsbereich zu platzieren: Klimageräte gehen aufgrund der Hitzewelle derzeit weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Anfang der Woche, so schätzen Branchenkenner, werden sie ausverkauft sein. Die Hitze ist gut fürs Geschäft.

Bis zu zehn Geräte pro Tag habe er vergangene Woche verkauft, berichtet Lefkowits während er am Computer Anfragen aus Deutschland bearbeitet. Mit Kosten zwischen 200 und 800 Euro sind Standklimageräte deutlich teurer als simple Ventilatoren. Doch die würde aufgrund der immer häufigeren Hitzewellen kaum noch jemand haben wollen, heißt es bei den Händlern.

„Was wir für eine Saison kalkuliert haben, war in einer Woche weg“, sagt auch Andreas Schubaschitz, Filialleiter der Elektronik-Kette Conrad in Rudolfsheim-Fünfhaus. Bereits am Donnerstag gab es nur noch Restbestände. Für das Sortiment wurden eigens Mitarbeiter abgestellt.

30.000 bis 50.000 Klimageräte werden pro Jahr verkauft, die meisten im Sommer. Mehr als zehn Millionen Euro Umsatz wird mit diesen erzielt, schätzt der Obmann der Fachgruppe Elektro- und Einrichtungshandel der Wirtschaftskammer, Wolfgang Krejcik.

Besonders die Tropennächte, an denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken, würden den Verkauf ankurbeln, weswegen es in der Früh besonders viel Andrang in seinem Geschäft gebe. „Klimageräte sind wichtige Umsatzbringer. Wobei wir nicht den Anschein erwecken wollen, dass wir eine Klimakatastrophe herbeisehnen.“, sagt Krejcik. Heuer, schätzt er, werde man den Umsatz des letzten Hitzesommers im Jahr 2015 übertreffen.

G’riss um Termine

„Es ist die Hölle los in unserer Branche“, bringt es auch Alfred Killer von der Firma Eden Klima auf den Punkt. Die Firma verkauft und installiert Klimaanlagen, derzeit könnten sie sich vor Anfragen nicht retten, meint Killer. Ab dem ersten Tag der Hitze hätte das Telefon nicht mehr stillgestanden. Bis nun Termine frei wären, werde die Hitze schon wieder vorbei sein. „Es ist klüger, die Anlage schon im Frühjahr zu installieren“, mahnt Killer.

Elektrohändler und Kältetechniker sind aber nicht die einzigen, denen die Hitze Schweißperlen auf die Stirn treibt, aber auch ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Denn bei Hitze steigt der Flüssigkeitsbedarf eines Erwachsenen auf etwa drei Liter pro Tag. Bier ist übrigens kaum darunter. Entgegen der landläufigen Annahme profitieren die Brauerein nicht von der Hitzewelle. Ab 28 Grad greifen die Österreicher kaum mehr zum kühlen Blonden. Lediglich alkoholfreies Bier und Radler dürfen sich über Zuwächse freuen. Stattdessen steht Wasser hoch im Kurs.

Wasser marsch

An den bisher heißesten Tagen des Jahres, dem 1. und 2. August, konnte der größte heimische Produzent Vöslauer seine Absatzmenge aus dem Vorjahr verdoppeln. Im Juli wurden um 5,6 Millionen Liter und damit um 40 Prozent mehr Mineralwasser verkauft als im Jänner. Im Vorjahr – da gab es keine Hitzewelle wohlgemerkt – wurden von Juni bis August 71 Millionen Liter Mineralwasser abgesetzt. Generell trinken die Österreicher pro Kopf und Jahr 91,7 Liter.

Wasser hat dieser Tage auch in Würfelform Hochsaison. So berichtet Rewe, dass sich die Nachfrage nach Eiswürfeln bei einer Hitzewelle verdreifacht. Heuer habe man am 23. Juli, dem Beginn der Hundstage, einen „bemerkenswerten Anstieg der Nachfrage“ beobachtet.

Nach Eis – und zwar nach dem italienischen – lechzen auch die Besucher der Gelaterias. Vor Leonardellis Eissalons in der Brigittenau verbringen derzeit auffällig viele Menschen ihre Mittagspause bei einer Kugel Eis. Ganz abgesehen von den aufgeregten Kindern, die sich ihre Sommerferien versüßen.

Mit einem Eissalon ist man im Sommer aber stets auf der richtigen Seite: Die aktuellen Temperaturen haben laut Inhaber Franz Leonardelli kaum Einfluss auf das Geschäft. Die Kunden würden bei 25 Grad genauso gerne kommen wie bei 30 Grad und mehr, meint er. „Der einzige Unterschied ist, dass sich das Geschäft in die späten Abendstunden verschiebt, da es vielen Leuten davor zu heiß ist.“

Vorgesorgt

Engpässe muss man nicht befürchten, die 300 traditionellen italienischen Eissalons im Land – 120 davon in Wien – sind routinemäßig auf den Sommer-Ansturm gut vorbereitet. Die Mengen, die verkauft werden, sind beachtlich. Immerhin schleckt und löffelt der durchschnittliche Eisesser acht Liter Eis pro Jahr. Das sind 64 Kugeln pro Person. Oder 21 Becher und Stanitzel zu je drei Kugeln.

„Klassiker wie Vanille, Schoko, Haselnuss, Erdbeere und Stracciatella gehen bei uns immer noch am besten, aber in den letzten Jahren steigt etwa die Beliebtheit von Cookie-Eis stark an“, erklärt WKO-Branchensprecher und Eissalonbesitzer Silvio Molin-Pradel. Dazu gesellen sich Kreationen wir Kaiserschmarrn oder Lavendel. Nicht für Kinder, dafür umso besser zur späten Stunde, sind Sorten wie Mojito, Prosecco oder Jägermeister. Dass das Eis dann kühlt und nicht eher von innen wärmt, kann nicht garantiert werden.

Wetter

Meteorologen haben dieser Tage keinen eintönigen Arbeitsalltag, verzeichnen sie doch laufend bemerkenswerte Messergebnisse. Allein heuer waren es bereits fünf Monate, die außergewöhnlich warm ausfielen: Laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) war der Jänner der drittwärmste Jänner der 252-jährigen Messgeschichte, der April der zweitwärmste und der Mai der viertwärmste. Der Juni zählte zu den zehn wärmsten Juni-Monaten, und der Juli zumindest zu den 15 wärmsten.

Die hohen Temperaturen im Juli (siehe Grafik) befeuern freilich nicht nur die Verkaufserfolge von Elektrogeschäften und Eissalons – auch der Stromverbrauch steigt deutlich an.
Zwar habe man die Daten für Juli noch nicht im Detail ausgewertet, man verfüge aber über aussagekräftige Prognosewerte, erklärt Andreas Eigenbauer, Vorstand der E-Control. Demnach werden im Raum Wien derzeit täglich 33.000 Megawattstunden Strom verbraucht – das sind um 2000 mehr als an durchschnittlichen Tagen.

Stromfresser

Für den höheren Verbrauch sorgen einerseits Kühlschränke und Gefriertruhen: „Diese müssen natürlich stärker kühlen, wenn es im Raum nicht 21 Grad, sondern zum Beispiel 28 Grad hat“, erklärt Eigenbauer. „Der Rest ist auf die Klimaanlagen zurückzuführen, die ja schon zur Massenware geworden sind.“
Der Wasserverbrauch blieb hingegen noch stabil: In Wien etwa werden täglich 380.000 m³ Wasser verbraucht, was noch im Durchschnitt liegt. „Der Spitzenwert liegt bei 500.000 m³ pro Tag. Der wird aber maximal ein bis zwei Mal pro Jahr erreicht“, sagt Walter Kling, stellvertretender Leiter bei Wiener Wasser.
Auch für die kommenden Augusttage sind Temperaturen über 30 Grad vorhergesagt (siehe Grafik). Vor allem am Donnerstag könnte es im Osten wieder extrem heiß werden.