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Chronik Österreich
02/04/2019

Übergriffe auf Parksheriffs nehmen österreichweit zu

Beschimpft, bespuckt und geschlagen – die Arbeit in der Parkraumüberwachung ist kein Honiglecken.

von Thomas Pressberger

Die Zahl der Übergriffe auf Parkorgane nimmt zu, auch steigt deren Intensität. „Wir entnehmen aus Rückmeldungen unserer Mitarbeiter, dass die Hemmschwelle sinkt“, sagt Alexander Kiss, Direktor des privaten Sicherheitsunternehmens ÖWD. Das habe nicht nur mit punktuellem Stress – wie in den Weihnachtsfeiertagen – zu tun, sondern sei während des ganzen Jahres zu beobachten.

„2018 war besonders ruppig“, sagt Kiss. Vor vier Jahren sei es noch verhältnismäßig ruhig gewesen, aber in den vergangenen drei Jahren sei ein steigendes Aggressionslevel zu beobachten gewesen. 2018 ist die Zahl der Übergriffe um zehn bis 15 Prozent gestiegen. Früher gab es meistens noch Diskussionen, heute komme es schnell zu Kränkungen und sexistischen Bemerkungen. Beschimpfungen wie „Park-Schlampe“ seien keine Ausnahme. „Die wirklich harten Sprüche kommen ausschließlich von Männern“, erzählt Kiss aus der Praxis.

Generell würden 90 Prozent aller Übergriffe von Männern getätigt. Die sexistischen Beschimpfungen würden fast ausschließlich Frauen treffen. „Einmal wurde ein Foto von einer Mitarbeiterin auf Facebook veröffentlicht, um sie anzuprangern“, erzählt Kiss. Diese Form des Öffentlichmachens habe es früher nicht gegeben.

Zu körperlichen Übergriffen sei es beim ÖWD bisher nur in zwei Fällen gekommen, und diese seien zum Glück glimpflich ausgegangen. Einmal sei einer Mitarbeiterin, die eine Beschimpfung mit dem Mobiltelefon dokumentieren wollte, selbiges aus der Hand geschlagen worden. Ein anderes Mal sei ein Mitarbeiter weggestoßen worden.

Parkdruck steigt

Es wäre grundfalsch, würde das Parkorgan die Aggressionen aufnehmen, da würden rasch die Emotionen hochgehen, warnt Kiss. „Die Mitarbeiter sind angewiesen, sich sofort zu entziehen und behördliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Leider fehle Parkorganen die Autorität von Exekutivorganen, daher werde ihnen von den Autofahrern per se das Strafen nicht zugestanden.

Die Gründe für die steigenden Aggressionen seien schwer auszumachen. Einer könnte sein, dass durch die steigende Zahl der Autos der Parkdruck steige. Das Stadt-Land-Gefälle sei laut Kiss nicht sehr groß. Im ländlichen Bereiche gehe es mangels Anonymität nur ein wenig schaumgebremster zu.

Die Mär, dass Parkorgane möglichst viele Strafen ausstellen und Provision kassieren würden, sei Unsinn, betont Kiss. Vielmehr hätten die Mitarbeiter einen Eid geschworen, korrekt zu strafen und hätten nicht einmal die Möglichkeit, kulant zu sein.

Die Sicherheitsdienstleister sind nicht inaktiv in Bezug auf die aktuelle Entwicklung und antworten mit elektronischer Ausrüstung und Ausbildung. Die Idee, Körperkameras einzusetzen, wurde zwar wieder verworfen, doch können die Wege von Parkorganen mittels GPS genau rekonstruiert werden, um die Strafen nachvollziehbarer zu machen.

Zudem sind die Mitarbeiter im Deeskalieren geschult, weisen auf Möglichkeiten hin, wie Handyparken und Servicestellen, bei denen Einspruch erhoben werden kann, und haben 15-Minuten-Gratisparkscheine mit, die den Autofahrern mitgegeben werden.

Für Parkorgane, die Übergriffe erdulden mussten, gibt es geschulte Psychologen, mit denen sie die Kränkungen aufarbeiten und von denen sie Verhaltensweisen für einzelne Situationen lernen können. „Das nehmen allerdings deutlich mehr Frauen als Männer in Anspruch“, sagt Kiss. Offenbar seien Männer weniger bereit, sich helfen zu lassen.

Wien ist anders

In Wien ist die Zahl der Übergriffe dagegen stagnierend. Laut Zahlen der Landespolizeidirektion Wien wurden 2017 und 2018 jeweils sieben Fälle von Bespucken beziehungsweise Beschmutzen sowie je 18 Fälle von tätlichen Angriffen gemeldet. Lediglich die Zahl der verbalen Attacken stieg von 40 auf 46. Seitens der Gewerkschaft Younion heißt es, dass die Stagnation daran liegen könnte, dass die Parkorgane sensibilisierter für kritische Situationen sind und vorsichtiger ans Werk gingen.

Aus anderen Quellen hört man, dass Hektik und Stress mittlerweile auch in kleineren Städten angekommen sind und zu mehr Übergriffen führen, sprich ein „Aufholprozess“ stattfindet. Ein anderer Grund könnte laut Kiss sein, „dass in Wien Organe der Stadtverwaltung tätig sind und wegen der Uniformierung oft mit Exekutivorganen verwechselt werden“. Aggressive Parksünder würden deshalb vor Attacken zurückschrecken.

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