Chronik | Österreich
29.07.2018

Hochsaison am Berg: Für Urlauber und für ihre Retter

Selbstüberschätzung, aber auch der Marsch in der Hitze überfordern viele Wanderer.

„Sie nehmen das oft leider nicht ernst“, bedauert der Tiroler Bergretter Peter Veider und spricht über jene Wanderer, die außerhalb des Urlaubs „mit dem Thema Berg oft nicht viel zu tun haben“: Schlechte Tourenplanung, schlechte Kondition, schlechte Ausrüstung, zu später Start - und schon endete für so machen der Wandertag nicht mit einem Gipfelsieg, sondern mit einem Anruf bei der Bergrettung.

Allein die Einsatzmeldungen der vergangenen Tage bestätigen Veiders Einschätzung. Am Sonntag stürzte ein Mann auf dem rund 2600 Meter hohen Birnhorn in Salzburg 30 Meter ab, er wurde in das UKH Salzburg geflogen. In Strobl im Salzburger Flachgau hakte sich Samstagnachmittag ein Bub nicht in das Sicherungsseil eines Klettersteiges ein, stolperte und stürzte 25 Meter ab. Der 13-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt.

In Tirol kam ein 60-jähriger Mann ums Leben: Der Deutsche rutschte auf der rund 3000 Meter hohen Parseierspitze in den Lechtaler Alpen aus und stürzte 200 Meter ab. Seine Frau, 52, brach schon Stunden zuvor den Aufstieg ab, weil ihr die Tour zu anspruchsvoll war.

Erschöpft vom Aufstieg

Samstagnachmittag gerieten zwei Kärntnerinnen in den Karawanken im Bereich der Ferlacher Spitze in felsiges Gelände und kamen nicht mehr weiter voran. Absteigen war nicht mehr möglich, die Frauen waren schon vom Aufstieg völlig fertig. Die Flugpolizei barg die beiden.

Schon Donnerstagnachmittag holten die Flugretter einen Niederländer und seine Töchter von der Poludnigalm in Hermagor: Ohne Bergerfahrung wagten sich der 52-Jährige und die Mädchen, 14 und 18 Jahre, auf einen Steig, der in bis zu 2000 Meter Höhe führt. Sie verirrten sich und steckten in Felsgelände fest.

Selbstüberschätzung sei aber nur eine der Ursachen, die Wanderer oder Bergsteiger in missliche Lagen brächten, überlegt Peter Veider, Geschäftsführer der Bergrettung Tirol. Vor allem Touristen marschierten viel zu spät los. „Die meisten wollen im Urlaub eben nicht um sechs Uhr früh aufstehen. Aber genau das wäre sinnvoll.“

Wer erst gegen acht oder gar neun Uhr vormittags in Richtung Gebirge starte, lande unweigerlich in der Mittags- und Nachmittagshitze. Die sei derzeit auch am Berg nicht zu unterschätzen, mahnt Veider. Dann fehle den Wanderern auch oft ausreichender Wasservorrat, das habe schwerwiegende Folgen: Erschöpfung bis hin zu ernsthaften Herz-Kreislauf-Problemen.