"Hitlergruß": Bedingte Haft für Jungpolitiker

Sebastian Pay behauptete, während einer FPÖ-Kundgebung seien Nazi-Gesten vorgekommen.

Schauen S’", fordert der Richter und zeigt auf die eingefrorene Szene auf dem Bildschirm. "Da stehen 100 Leut, 90 Prozent winken da so. Und das ist Ihnen nicht aufgefallen?" Nein, beteuert Sebastian Pay, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Graz. "Ich hab’ gesehen, dass eine Gruppe von Menschen mit den Händen nach oben ist. Da hat’s mich gerissen."

So sehr, dass der 22-Jährige Fotos schoss und 15 Minuten später schon den "Hitlergruß" während einer FPÖ-Veranstaltung auf Facebook postete. Einen Tag später folgte die Anzeige.

Doch der angebliche "Hitlergruß" bei der Abschlusskundgebung der Blauen – zwei Tage vor den Nationalratswahlen in Graz – bringt nicht die fotografierten Burschen wegen Wiederbetätigung vor Gericht. Sondern Pay: Staatsanwalt Johannes Winklhofer klagt Verleumdung und falscher Beweisaussage an. Denn auf den Videos der Polizei habe er nichts Verdächtiges entdecken können. Nach Aufruf von Musikern hätten die Besucher mitgeschunkelt. "Die haben von links nach rechts gewunken", betont Winklhofer. "Und er hat es gewusst."

Sebastian Pay
Sebastian Pay, Sozialistische Jugend © Bild: Pay

Er habe "das mit den Aufruf" nicht gehört, versichert Pay. "Ich hab’ gesehen, wie die Hand nach oben geht. Ich war erschrocken, aufgebracht." Der Richter filterte aus den Videos den Moment heraus, an dem Pay die Fotos machte. "Sie beginnen zu fotografieren, als der die Hand schwenkt. Wo ist da der Beweis, dass das nicht schunkeln ist, sondern der Hitlergruß?" Pay bleibt dabei: "Aus meiner Wahrnehmung war es kein Schunkeln." Noch etwas fällt dem Richter auf: Pay habe den Daumen nach oben gestreckt, "die Geste des Erfolgs".

Urteil: Sechs Monate bedingte Haft sowie 1400 Euro Geldstrafe unbedingt, nicht rechtskräftig.

( Kurier ) Erstellt am 14.03.2014