Chronik | Österreich
04.06.2018

Heiratsschwindler trieb sein Unwesen vom Gefängnis aus

Ein verurteilter Hochstapler wickelte auch in der Justizanstalt Graz-Karlau Frauen per Handy um den Finger. 7,5 Jahre Haft.

Obwohl er als verurteilter Hochstapler bis 2029 in der Justizanstalt Graz-Karlau einsitzen wird, hat sich ein 62-Jähriger von dort aus weiter als Heiratsschwindler betätigt. Er nutzte ein Handy, um über eine Dating-Plattform alleinstehende Frauen um den Finger zu wickeln. Mit seiner Verantwortung am Wiener Landesgericht sorgte der Mann am Montag für Kopfschütteln bei Richter Andreas Hautz. Er wurde zu 7,5 Jahren Haft verurteilt

Schon zuvor hatte der Angeklagte einsame Damen in den Dreißigern dazu gebracht, ihm Geld und Wertgegenstände zu überlassen, indem er ihnen Lügenmärchen auftischte und ihnen eine Beziehung in Aussicht stellte oder gar die Ehe versprach. In seiner Grazer Zelle vertrieb sich der Häftling die Zeit, indem er sich auf der Dating-Plattform unter einem falschen Namen als 39 Jahre alter Arzt ausgab und partnersuchenden Frauen vortäuschte, er betreibe eine Ordination in Wien, lebe in einer Villa in Döbling und sei nebenbei immer wieder für eine Hilfsorganisation in Syrien im Einsatz.

Zwischen Jänner 2017 und Jänner 2018 fielen sieben an sich mit beiden Beinen im Leben stehende Single-Frauen in den Dreißigern auf den vermeintlichen Mediziner herein und verliebten sich zumindest teilweise in ihn. Laut Anklage brachte der Schwindler sie dazu, ihm Geld auf sein Konto zu überweisen. Auch Lebensmittel, Wertsachen und Alltagsgegenstände schafften die Frauen in seinem Auftrag an. Eine ließ sogar den 21-jährigen Sohn des Schwindlers mehrere Monate bei sich wohnen, als dieser seine Bleibe verlor, und bezahlte dem Burschen obendrein eine offene Polizeistrafe. Weiters soll er die Frauen mit Nackfotos erpresst haben, die diese ihm geschickt hatten.

Verteidigung: Frauen beschenkten ihn von sich aus

Vor Gericht verantwortete sich der Mann mit teilweise schuldig - dass er eben unter falscher Identität agiert habe. All die Wertgegenstände und das Geld hätten ihm die Damen aber von sich aus angeboten. Er hätte dies alles jederzeit zurückzahlen können. Er stellte sich vor Gericht als wohlhabend dar, ohne jedoch konkrete Vermögenswerte nachweisen zu können. Rätselraten gab es zudem, ob es eine betuchte Oma bzw. Großtante wirklich gibt, die sich trotz ihres Alters von beinahe 103 Jahren so guter Gesundheit erfreue, dass sie mal in Israel, dann in Wien oder am Wörthersee residiert. Diese hätte ihm "sechs Millionen" geschenkt, behauptete der Angeklagte.

Während der Angeklagte mit seinen abenteuerlichen Geschichten bei den verliebten Damen durchgekommen war, sorgte er mit seinem Schwadronieren bei Hautz immer wieder für Kopfschütteln. Seine Versuche, seine Opfer zu diskreditieren, wurden vom Richter entschieden zurückgewiesen: "Sie können sich verteidigen, wie Sie wollen, aber wenn Sie schuldig gesprochen werden und Ihre Opfer weiter desavouieren, werde ich Ihnen die Rechnung präsentieren."

Mit auf der Anklagebank fanden sich der Sohn des Beschuldigten sowie zwei Frauen, die sich ebenfalls in den angeblichen Arzt verliebt hatten. Sie sollen Wertgegenständen von anderen Damen angenommen haben, die eigentlich an "Doktor Rosen" gehen sollten. Eine fand etwa vier Breitling-Uhren vor ihrer Türe. Eine Polizistin, die in dem Fall ermittelt hatte, meinte vor Gericht, sie habe damals den Eindruck gewonnen, die beiden Frauen seien keine Mittäter, sondern Opfer.