APA9770750-3 - 17102012 - FELDBACH - ÖSTERREICH: THEMENBILD - Illustration zum Thema Gleichberechtigung Mann - Frau. Im Bild: Artillerie-Beobachtungs-Unteroffizier Wachtmeister Christine Koller bedient am Mittwoch, 10. Oktober 2012, einen Laserentfernungsmesser während eines Fototermins mit der Austria Presse Agentur (APA) in Feldbach. APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH

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Frauen beim Heer
04/01/2013

"Halten Sie Distanz zu Männern"

Heute vor fünfzehn Jahren rückten die ersten Soldatinnen beim steirischen Jägerregiment 5 ein.

Das österreichische Bundesheer hat vor fünfzehn Jahre seine Tore auch für Frauen geöffnet. Am 1. April 1998 rückten die ersten neun Soldatinnen beim steirischen Jägerregiment 5 ein. Das Bundesheer hatte sich gründlich auf die ersten weiblichen Soldaten vorbereitet. Es wurden in der betroffenen Kaserne in Strass ausländische Experten zugezogen, ein eigener Verhaltenskodex erlassen sowie psychologische, soziologische und sonstige Fragen ausführlich behandelt. Große Sorgen machte man sich über die Gefahr der sexuellen Belästigung. Die Soldatinnen wurden daher angehalten, Distanz zu Männern zu halten. Man machte sich aber auch Gedanken darüber, ob die Kraft im Zeigefinger der Frauen ausreichen würde, um das Sturmgewehr 77 abzufeuern.

Frauen nehmen viele Funktionen ein

THEMENBILD-PAKET: GLEICHBERECHTIGUNG MANN - FRAU /

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FRAUEN BEIM BUNDESHEER: STRANZINGER/ BERGINC

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THEMENBILD: FRAUEN BEIM BUNDESHEER

THEMENBILD: 15 JAHRE FRAUEN BEIM BUNDESHEER

ARCHIVBILD/ 5 JAHRE FRAUEN BEIM BUNDESHEER

THEMENBILD-PAKET: GLEICHBERECHTIGUNG MANN - FRAU /

Knigge

Anlässlich der Einrückung der ersten Soldatinnen hat der damalige Kasernen-Kommandant, Josef Paul Puntigam, ein "Knigge für weibliche Rekruten", unterzeichnet. Darin wurden die Soldatinnen aufgefordert, "ordentlich und gepflegt" aufzutreten, zu "Männern in der Dienstzeit die notwendige Distanz zu halten" und sich "auf keine Abenteuer einzulassen". Männerbesuche im Zimmer der Soldatinnen sowie Soldatinnenbesuche in Zimmern der Männer waren verboten. Vorgesetze und Ranghöhere sowie männliche Rekruten durften sich den Frauen "nicht mehr als 3 Schritte nähern". "Nachfeiern" und Besprechungen durften nur im Soldatenheim oder in einem öffentlichen Lokal stattfinden. "Ihr Intimsphäre ist uns heilig", hieß es im dem Papier. "Sexuelle Belästigungen werden unverzüglich disziplinär bzw. strafrechtlichen geahndet."

Seit 1998 haben haben 1.044 Frauen die Uniform angezogen, aktuell sind 365 Soldatinnen beim Bundesheer. Gemessen an der Gesamtzahl der Berufssoldaten (16.000) sind das nur 2,3 Prozent. Von den im ersten Jahrgang 1998 eingerückten 79 Frauen ist fast die Hälfte (35) noch dabei. Auch von den aller ersten neun Soldatinnen, die in Strass eingerückt sind, sind noch vier beim Bundesheer.

Sportlerinnen

Der höchste Dienstgrad, den Frauen bei Bundesheer bisher erreicht haben, ist Oberst. Es gibt elf davon, sie alle sind Ärztinnen. Insgesamt gibt es 63 weibliche Offiziere, 131 Unteroffiziere, 139 Chargen und 32 Rekruten. Die meisten Frauen - nämlich 74 - sind als Sportlerinnen beim Heer. Zusätzlich zu den hauptberuflichen Soldatinnen zählt auch die Miliz 71 Frauen in ihren Reihen. Bei rund 26.000 Milizsoldaten insgesamt ist der Frauenanteil hier allerdings noch niedriger. Das Durchschnittsalter der Soldatinnen liegt bei 31 Lebensjahren.

Beim Vergleich der Bundesländer ist das größte Bundesland Niederösterreich mit fast 100 Frauen Spitzenreiter, gefolgt von der Steiermark mit 60 und Salzburg mit 50. Die wenigsten Soldatinnen gibt es freilich in den beiden kleinsten Bundesländern, Vorarlberg und dem Burgenland, mit jeweils weniger als zehn.

Rekrutierungschef wünscht sich mehr Frauen

Der Rekrutierungschef des Bundesheers, Thomas Mais, wünscht sich deutlich mehr Soldatinnen in der Armee. Derzeit sind es 365, „wir hätten gerne ein paar Hundert mehr“, sagte Mais im Gespräch mit der APA. Mais hofft zudem, dass das Bundesheer in den kommenden Jahren den ersten weiblichen Generalstabsoffizier, die erste Eurofighter-Pilotin und einen weiblichen Offizier in Brigadiersrang bekommt. Der höchste Dienstgrad, den Frauen bisher erreicht haben, ist Oberst.

Einer der Hauptgründe, dass es Frauen nicht so stark zum Bundesheer zieht, ist laut Mais die ablehnende Haltung im sozialen Umfeld. Wobei im Osten Österreichs die Akzeptanz höher sei als im Westen, so Mais. „Die Polizei ist da viel weiter, aber wir arbeiten heftig daran, Frauen als Soldatinnen zu rekrutieren“, sagte der Rekrutierungschef mit Verweis auf den Girls Day, der für das Bundesheer mittlerweile zu einer wichtigen Plattform geworden sei.

Ein besonderes Anliegen ist Mais, dass bald eine Frau den Generalstabslehrgang macht. „Der Corps der Generalstabsoffiziere sollte noch um eine Frau verstärkt werden.“ Es sei auch nur eine Frage der Zeit, „bis die erste Pilotin im Eurofighter sitzt“. Beim Jagdkommando gebe es bereits eine Soldatin im Logistikbereich. Eine weitere Frau habe den Jagdkommandokurs erfolgreich absolviert, sei aber nicht dort geblieben. Das Bundesheer hat auch drei Hubschrauberpilotinnen und zwei Kompaniekommandantinnen.

Die Anforderungen für die Basisfitness von Frauen unterscheiden sich zwar von jenen für Männer, in ihren Funktionen müssen Soldatinnen aber exakt das gleiche leisten wie ihre männlichen Kollegen. Schließlich gehe es beim Beruf des Soldaten um Leben und Tod, so Mais.

Anfangsschwierigkeiten

In den letzten 15 Jahren sind Soldatinnen, auch wenn sie noch immer eine Minderheit sind, zur Normalität geworden, sagte Hauptmann Maria Eder, die seit 1998 beim Bundesheer und damit eine Soldatin der ersten Stunde ist. Anlaufschwierigkeiten habe es eigentlich nur mit fehlenden Nassräumen in den Kasernen gegeben. Das sei aber mittlerweile auch behoben. Frauen in Uniform seien heute „in der Kaserne völlige Normalität, auf der Straße dagegen nicht“ – dort werde sie nämlich noch immer komisch angestarrt, erzählte Eder.

Die für die ersten weiblichen Soldaten beim steirischen Jägerregiment 5 erlassenen Verhaltensregeln, wonach sich Männer den Frauen "nicht mehr als 3 Schritte nähern" durften, seien heute nicht mehr notwendig und eigentlich schon damals übertrieben gewesen. Am Beginn habe man aber einfach Angst gehabt, etwas falsch zu machen. Man habe nicht recht gewusst, wie man damit umgehen soll, es sei aber letztlich keine besondere Umstellung nötig gewesen. Der Umgang mit den Soldatinnen sei von Beginn an normal gewesen, so Eder.

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