Chronik | Österreich
26.07.2018

Günstige Zeiten für Mondsüchtige

Längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts, gleichzeitig strahlt der Mars ungewöhnlich hell.

Dieser Anblick  kommt so schnell nicht wieder: Ein roter Mond und senkrecht darunter ein ungewöhnlich hell leuchtender Mars. Zu sehen am Nachthimmel des 27. Juli ab 21.30 Uhr.  Der Grund für dieses einzigartige Naturschauspiel sind zwei astronomische Besonderheiten, die in „in dieser Konstellation nur sehr selten vorkommen“, sagt Alexander Pikhard, Präsident der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA).

Das eine Ereignis ist die totale Mondfinsternis: Zwischen 21.30 und 23.14 Uhr verschwindet der Vollmond im sogenannten Kernschatten der Erde, die Sonne kann den Mond daher nicht wie sonst bescheinen und der Trabant ist verdunkelt. Allerdings ist die Erde von der Erdatmosphäre umgeben und die wiederum streut das Sonnenlicht so, dass den Mond ein rötlicher Schein trifft. Dadurch sehen wir den Mond als roten Ball.

Voraussetzungen für ein perfektes Erlebnis sind eine freie Sicht auf den Horizont in Richtung Südosten und das richtige Wetter. Die Großwetterlage sei zwar ganz gut, genaue Prognosen könne man aber erst kurzfristig machen. „Man kann frühestens am Donnerstag zu Mittag übers Wetter nachdenken anfangen“, meint Pikhard.

Beginn unsichtbar

Der gesamte Vorgang der Mondfinsternis beginnt bereits um 19.13 Uhr. Zu dieser Zeit tritt der Mond in den Halbschatten der Erde – für die Beobachter allerdings noch unsichtbar. Auch nach dem Mondaufgang, um 20.30 Uhr in Wien und im Westen Österreichs ein paar Minuten später, ist das Gestirn noch nicht gut zu sehen. Erst wenn es dunkel genug ist, zeigt sich der rote Mond.

In der letzten Dreiviertelstunde der totalen Mondfinsternis könne man das Naturschauspiel am besten beobachten, sagt Pikhard.

Neben dem Mond spielt der Mars eine große Rolle im Himmelsschauspiel. Von der Erde aus gesehen steht der Mars der Sonne genau gegenüber – und das mit rund 207 Millionen Kilometer Entfernung am sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn. Experten sprechen dabei von einer Perihelopposition des Mars. Diese gibt es nur alle 15 oder 17 Jahre. Man kann  den Mars ab etwa 22 Uhr wegen dieser speziellen  Position besonders hell sehen.

Längste Mondfinsternis

Mondfinsternisse können mehrmals im Jahr auftreten, müssen aber nicht immer total oder gut sichtbar sein. Und „die Dauer  kann stark schwanken“, sagt Pikhard. Mit einer Länge von einer Stunde und 43 Minuten ist die Mondfinsternis am Freitag die längste im 21. Jahrhundert. Laut Berechnungen der Raumfahrtbehörde NASA wird die nächste vergleichbare in Österreich erst wieder in 250 Jahren zu sehen sein.

Alina Neumann