Kernstück der Schutzzone ist die Altstadt um den Grazer Schlossberg

© Reinhard Vogel

Chronik Österreich
10/10/2019

Grundstückspreise: "Die Gier ist größer geworden"

Stadt Graz erweitert die Altstadt-Schutzzone, um die historischen Villenviertel zu erhalten.

von Elisabeth Holzer

Die Landeshauptstadt wächst, 2001 gab es 220.000 Hauptwohnsitze, 2018 waren 300.000. Das macht viel mehr Wohnraum nötig. „Da ist ein großer Druck auf Grundstücke entstanden“, betont ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl. „Das hat natürlich auch auf die Preisentwicklung Einfluss gehabt.“ Ein Umstand, der vor allem in den Vierteln mit historischen Villen bemerkbar war: Immer mehr von ihnen wichen Geschoßbauten, die Grundstücke erzielten enorme Preise.

Stadt und Land Steiermark wollen nun etwas Druck herausnehmen. Mit Jahresbeginn 2020 wird die Altstadt-Schutzzone in Graz ausgedehnt: Zu den 900 Hektar Fläche mit derzeit 4646 Gebäuden vor allem in der Innenstadt und an angrenzenden Straßenzügen kommen 41 Hektar in den Bezirken Waltendorf und St. Peter erweitert. Somit stehen künftig 250 Gebäude in den Villenvierteln unter Schutz.

Wohnungen statt Villa

Punktuelle Bebauung sei zwar dort auch weiterhin möglich, aber jedes Vorhaben müsse in die Umgebung passen. Eine Villa durch ein Mehrparteienwohnhaus zu ersetzen und die maximal mögliche Bebauungsdichte auszunützen, ist dann nicht mehr möglich.

„In der nächsten Generation werden die wunderbaren Villen oft nicht mehr sehr geschätzt“, bedauert Nagl. „Man versucht, exorbitante Summen zu lukrieren. Berechnet wird nur noch, wie viele Bruttoquadratmeter Geschoßfläche ich dort kriegen kann. Die Gier ist größer geworden.“ Das sei zwar durch Flächenwidmungs- und Bebauungsplan rechtlich gedeckt, aber bedauerlich. „Die Charakteristika eines Viertels verschwinden“, betont Nagl.

Fünf Zonen

Derzeit gibt es in Graz fünf Bereiche, in denen die Altstadt-Schutzzone gilt. Kern ist naturgemäß die Altstadt um den Schlossberg, das entspricht der Zone des UNESCO-Weltkulturerbes. Schutzzone II und III decken die gründerzeitlichen Bauten am Murufer ab, Zone IV betrifft Schloss Eggenberg im Westen, Zone V den Kalvarienberg nördlich der Altstadt. Mit Jänner kommen als Zone VI die Villenviertel im Osten und Südosten dazu. Zu-. Neu- und Umbauten seien trotz Schutzzone möglich, versichert Gertraud Strempfl-Ledl von der Altstadt-Sachverständigenkommission. „Es gilt aber dabei, die historische Substanz zu erhalten.“

Allein könnte die Stadt Graz die Ausdehnung nicht umsetzen, dafür braucht es eine Verordnung der Landesregierung. Die werde kommen, versichert ÖVP-Kulturlandesrat Christopher Drexler: „Es liegt in der Verantwortung der Politik, schützenswerte Teile für die Nachwelt zu sichern.“

Silber statt bronzefarben

Allerdings gibt es in Graz auch mitten in der Altstadt Bausünden, wie etwa auf dem Dach des Kaufhauses Kastner & Öhler. Silbern schimmert deren 2010 errichteter Zubau inmitten der geschützten Dachlandschaft. Ein Zustand, der auch die Hüter des UNESCO-Weltkulturerbes mehrmals am Grazer Rathaus anklopfen ließ. Bernhard Inninger vom Stadtplanungsamt verweist auf eine Frist, die den Eigentümern bereits gesetzt worden sei: Derzeit würden Musterplatten getestet, die das vorgeschriebene bronzefarbene Dach sicherstellen sollen. Nagl kommentiert, der Dachausbau sei „in Summe“ auch noch nicht fertig.