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Graz
03/02/2016

Mediziner wegen grob fahrlässiger Tötung vor Gericht

Arzt und Radiologe sollen OP nicht rechtzeitig veranlasst haben - Patient starb.

Zwei ehemalige Mediziner des LKH Graz haben sich am Mittwoch wegen grob fahrlässiger Tötung eines Patienten im Straflandesgericht Graz verantworten müssen. Sie sollen eine Operation bei einem 46-Jährigen mit Darmproblemen zu spät veranlasst haben. Es kam zum Darmdurchbruch, der Patient verstarb im Oktober 2012. Beide Angeklagten fühlten sich nicht schuldig.

Der 46-Jährige hatte als Hochrisiko-Patient gegolten, weil der Mann auch regelmäßig zur Dialyse musste und Nierenprobleme hatte. Er wurde am 19. September 2012 ins Krankenhaus gebracht und klagte damals über Schmerzen im Bauch. Eine entzündliche Veränderung im Darm wurde festgestellt, seine Nahrung wurde daher reduziert und er bekam Antibiotika. Die Entzündungswerte gingen zurück. Als der 42-jährige Facharzt für Innere Medizin den Patienten am 1. Oktober übernahm, soll dieser nicht mehr über Schmerzen geklagt haben: "Ich kann nur behandeln, wenn Patienten mir ihre tatsächlichen Symptome schildern", rechtfertigte sich der Mediziner.

"Keine Beschwerden geschildert"

Weder bei den Visiten, noch gegenüber der Pflege soll der Patient ab dem 1. Oktober über starke Schmerzen geklagt haben. Auch einen verhärteten Bauch habe der Mediziner bei der physikalischen Kontrolle nicht festgestellt. Daher wurde eine konservative Behandlung - also ohne Operation - bevorzugt, weil er eben auch Hochrisikopatient war. Tatsächlich aber hatte sich Kot im Darm des Mannes gestaut.

Am 4. Oktober wurde ein CT gemacht, der Befund dazu lag einen Tag darauf in schriftlicher Form für die Chirurgie vor. An diesem 5. Oktober musste der Patient auch noch in der chirurgischen Abteilung vorstellig werden, ging dazu sogar selbst hin und wieder zurück auf sein Zimmer. Abermals wurde er vom 42-Jährigen einer Visite unterzogen. Erst später an dem Tag musste die Dialyse des Patienten wegen starker Schmerzen abgebrochen werden. Es war zu einer Darmperforation gekommen, bei der sich rund 1,5 Liter Kot in die Bauchhöhle entleerten. Das Schockgeschehen hatte den Tod des 46-Jährigen zur Folge.

"Verkettung von Fehlleistungen"

Neben dem 42-jährigen Mediziner ist auch ein 65-jähriger ehemaliger Radiologe angeklagt. Er soll bei der Befundung des CT vom 4. Oktober laut Staatsanwaltschaft Graz nicht auf einen Darmverschluss hingewiesen haben: "Er hat die Gefahr der Darmperforation nicht erkannt." Eine "Verkettung von Fehlleistungen" habe laut der Anklägerin die Konsequenz gehabt, dass der Patient nicht zeitgerecht der Chirurgie zugewiesen wurde. Eine OP hätte ihn "sehr wahrscheinlich" gerettet.

Vier Gutachten wurden beauftragt, kamen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen. Neuere Expertisen würden laut des Verteidigers darauf hinweisen, dass es kein Mitverschulden für seine Mandanten am Tod des Patienten gab. Es habe engmaschige Kontrollen gegeben: "Mehr geht nicht." Die Klinik des Patienten sei einfach untypisch gewesen: Er hatte nach der Erstbehandlung keine Beschwerden. Dem gegenüber stehen die Aussagen der Witwe, die sich als Privatbeteiligte dem Verfahren angeschlossen hat. Ihr Mann habe sehr wohl über Schmerzen geklagt. Die Verhandlung soll kommende Woche fortgesetzt werden.

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