Grazer Ehepaar wegen Misshandlung von Kindern vor Gericht

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Das Ehepaar soll Söhne und Stieftochter jahrelang misshandelt haben. Stieftochter beteuert sexuell missbraucht worden zu sein.

Schläge und wüste Beschimpfungen dürften laut dem heute erwachsenen Nachwuchs an der Tagesordnung gestanden sein. Der Vater soll zudem seine Stieftochter jahrelang sexuell missbraucht haben. Deshalb muss sich nun ein Grazer Ehepaar vor Gericht verantworten.

Anwalt nennt Vorwürfe "lebensfremd"

Die Anklage zeichnete kein idyllisches Familienbild: Von Schlägen mit dem Staubsaugerrohr oder dem Kochlöffel, bis dieser brach, ist die Rede. Mit "Drecksau" und "Nutte" sollen die Kinder - vor allem aber die älteste Tochter - beschimpft worden sein. An dem Mädchen, es handelt sich um die Stieftochter des Angeklagten, soll sich der Berufskraftfahrer auch jahrelang vergangen haben: Als sie erst sieben Jahre alt war, soll er laut Anklage begonnen haben, sie zu missbrauchen. Aus Berührungen wurde im Laufe der Jahre Geschlechtsverkehr - teilweise mehrmals pro Woche sollen die Übergriffe stattgefunden haben. Staatsanwalt Marian Wieland warf dem Vater auch Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vor. Die Mutter der insgesamt fünf Kinder soll die Kleinen - ebenso wie ihr Ehemann - geschlagen haben.

Die Beschuldigten wiesen vor Gericht alle Anschuldigungen zurück. Ihr Verteidiger kritisierte, dass das Ermittlungsverfahren noch gar nicht abgeschlossen sei, weil noch zig Zeugen vernommen werden sollten. Ihm zufolge hätten die Schläge und Übergriffe in der geschilderten Intensität gar nicht stattfinden können, ohne dass es jemand bemerkt hat: "Das ist lebensfremd." Der angeklagte Vater sprach von einem harmonischen Familienleben: "Das stimmt alles nicht. Wir haben den Kindern nie wehgetan", beteuerte er.

Sozialhilfe waren Familienverhältnisse bereits 1993 bekannt

Als Richterin Julia Riffer jedoch einen Bericht der Fürsorge aus dem Jahr 1993 vorlegte, in dem ein grauenhaftes Klima in der Familie beschrieben wurde, ebenso wie ein stark verschmutztes und zurückgezogenes Mädchen, Fetzen im Kinderbett und überforderte Eltern, die das nicht zugeben wollen, wurde der Mann aufbrausend. Sämtliche Vorwürfe seien gelogen, so der Angeklagte: "Ich habe mir den Arsch aufgerissen für die Fratzen."

Die Richterin sprach den Beschuldigten auch auf Niederschriften einer Lehrerin an, der sich das Mädchen mit 13 anvertraut hatte. Von einer Anzeige nahm das Kind dann aber Abstand, nachdem die Mutter ihr aufgezeigt hatte, dass der Vater deswegen ins Gefängnis müsse. Warum zwei der fünf Kinder das alles behaupten, konnten sich weder Vater noch Mutter erklären. Vielleicht weil sie ihnen zuletzt kein Geld und Essen mehr gegeben hätten: "Irgendwann ist es genug. Jeder muss irgendwann auf den eigenen Beinen stehen", rechtfertigte sich der Vater. Die Älteste zog mit 19 aus, die Zwillingsbuben mit 16 beziehungsweise 17. Beide Söhne seien in falsche Kreise geraten und deswegen seither beide schon mehrere Jahre in Haft gewesen.

Für Richterin Riffel ergibt der Erklärungsversuch der Eltern wenig Sinn: "Sie hatten ja schon jahrelang keinen Kontakt zu den drei älteren Kindern. Warum sollten sie sich jetzt deswegen rächen wollen?" Der Vater blieb bei seiner Verantwortung. Auch die teils sehr beispielhaften Schilderungen der heute 27-Jährigen seien erlogen: "Ich war ja nie zu Hause, wie soll das funktioniert haben?"

Bis zu zehn Jahre Haft drohen

Die Mutter stärkte ihrem Mann den Rücken. Sie waren auch zu Beginn des Prozesses händchenhaltend in den Verhandlungssaal gekommen. Sie habe ebenfalls ein gutes Verhältnis zu den Kindern gehabt: "Es stimmt nicht, dass es bei uns so aussah", meinte sie auf den Bericht der Sozialhilfe von 1993 angesprochen. "Wieso soll sich das die Sozialarbeiterin auf drei Seiten aus den Fingern saugen?" fragte die Richterin. Viel mehr als ein "Ich weiß es nicht" konnte die Angeklagte nicht als Erklärung vorbringen.

Riffel wollte von der Frau wissen, was sie der Tochter mit 13 gesagt habe, als diese wenig später ihre Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs zurückzog: "Haben Sie ihr gesagt: 'Dann hat es Dir eh getaugt, Du Drecksau?'", zitierte die Richterin aus der Anklage. Die Beschuldigte bestritt diese Wortwahl. Sie habe ihrer Tochter nicht geglaubt. "Haben Sie ihr gesagt, dass der Vater dann ins Gefängnis muss und sie dann mit allen fünf Kindern alleine wären und sie die Wahrheit sagen soll? Haben Sie ihr ein schlechtes Gewissen eingeredet?" Die Mutter gab zu, ihrer Tochter so etwas gesagt zu haben: "Aber das ist ja kein schlechtes Gewissen einreden. Ich wollte ihr nur aufzeigen, was passiert, wenn sie so was behauptet."

Dem Vater drohen ein bis zehn Jahre Haft, der Mutter bis zu drei Jahre Gefängnis. Da einige geladene Zeugen am Mittwoch nicht erscheinen konnten, wird die Verhandlung an zumindest einem weiteren Termin fortgesetzt.

 

( Agenturen , tr ) Erstellt am 09.05.2018