Graz: Politik und Polizei gegen Bürgerwehr
Drei Beamte sind bereits ausgewiesene "Community-Polizisten", vier weitere absolvieren ihre Schulungen im Mai: Sie sind in den drei Grazer Bezirken Innere Stadt, Lend und Eggenberg im Einsatz und sollen 25 Prozent ihrer regulären Dienstzeit für das Pilotprojekt verwenden.
Doch das soll erst der Anfang sein, hofft Bürgermeister Siegfried Nagl, ÖVP. Im September soll in der Stadt ein eigenes "Sicherheits-Beratungszentrum" eröffnen: Mitarbeiter der Polizei und Feuerwehr sowie des Rotes Kreuzes und des Katastrophenschutzes sollen den Bürgern dort Tipps geben, damit sie erst gar nicht Opfer von Kriminalität werden. Die bisherige Präventionsarbeit der Exekutive wird also neu gestaltet und zusammengeführt, auch die Anrainer selbst sollen mehr eingebunden werden.
Ansprechpartner für die Bürger zu werden, sei auch eine der Aufgaben von "Community policing", beschreibt Werner Miedl vom Verein "Sicher leben" und selbst Polizist sowie ehemaliger ÖVP-Stadtrat. "Da geht es um mehr für die Polizei als nur hinfahren und Anzeigen schreiben. Man geht den Dingen auf den Grund, wir sind vernetzt mit Sozialamt, Jugendamt und Ordnungswache."
Durch das vorerst bis März 2017 laufende Pilotprojekt soll das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen verbessert werden, betont Miedl: "Es geht in erster Linie darum, die Angst zu nehmen und durch Information zu ersetzen."
Falsche Entwicklung
Damit trifft sich der Ex-Stadtrat mit dem Bürgermeister: Nagl lehnt reine Bürgerwehren ab – eine gibt es jedoch bereits in einem Grazer Bezirk, organisiert als Verein. "Das halte ich für eine falsche Entwicklung", betont der Stadtchef. "Ich verstehe die Sorgen, aber Privatpersonen sollen sich nicht auf Gefahren einlassen, die sie nicht beherrschen können."
Polizeiarbeit bedeute, einen "kühlen Kopf" zu bewahren, beschreibt Miedl. Privat organisierte Modelle drehten sich hingegen mehr um Emotion und politische Agitation. "Die Polizei hat ein Problem mit Bürgerwehren", gibt Miedl offen zu. "Ich hab’ Angst vor dem Zeitpunkt, in dem aufgehetzte Bürger mit Baseballschlägern durch Parks gehen."
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