Ein Teil des Projekts befasst sich auch mit NS-Propaganda.

© /Israelischer Kultusverein Graz

steiermark
11/05/2014

Graz: Holocaust-Gedenkzentrum in Synagoge

Die erste Einrichtung dieser Art in Österreich soll kommendes Jahr eröffnet werden.

von Elisabeth Holzer

Irgendwie hab’ ich mir am Anfang gedacht, das geht doch hier gar nicht", erinnert sich Uwe Kohlhammer. "Die Synagoge ist belebt, hier wird gebetet. Hier kann man doch nicht den Holocaust zeigen."

Und doch entsteht das erste Holocaust-Gedenkzentrum Österreichs exakt dort: In der Grazer Synagoge, die 1938 zerstört und 2000 wieder errichtet wurde. Am 9. November 2015 – 15 Jahre nach der Einweihung des neuen Tempels und 77 Jahre nach der Zerstörung der alten Synagoge in den Novemberpogromen – soll es eröffnet werden.

Erstaunlich spät kommt so ein Zentrum in Österreich, solche Einrichtungen gibt es in Deutschland, Frankreich, Ungarn oder den USA seit vielen Jahren. Eine Antwort, warum das so ist, hat auch die Präsidentin des Israelitischen Kultusvereins Graz, Ruth Kaufmann, nicht. "Das ist mir ein Rätsel. Vielleicht ist einfach niemand auf die Idee gekommen."

Flucht und Tod

Das Grazer Projekt entsteht in Kooperation mit Gedenkzentren in Jerusalem, Washington und Berlin. Gestalter Uwe Kohlhammer wählt dafür einen persönlichen Weg, der speziell Jugendliche ansprechen soll. "Uns ist die Geschichte von Bertl und Daniel eingefallen. Das sind zwei ganz normale Grazer Jungs, die im Augarten spielen, im Fußballverein sind." Bis 1938: Bertls Familie schafft es, zu flüchten, Daniel wird im Konzentrationslager ermordet.

Anhand des Lebens der beiden Buben führt Kohlhammer durch die Zeitgeschichte: Jüdisches Leben vor 1938, Rassenwahn der Nazis, Pogrome, Flucht, Vertreibung, Mord. "Die historische Holocaust-Geschichte umrahmt die Geschichte dieser zwei Jungs", beschreibt Kohlhammer. Im Außenbereich sollen Kieselsteine an die sechs Millionen Opfer des Holocausts erinnern.

Während Daniel eine fiktive Figur ist, ist Bertl real: Der heute 90-Jährige heißt Berthold Kaufmann und ist Ruths Vater, der 1949 nach Graz zurückkehrte.

400.000 bis 500.000 Euro dürfte das Gedenkzentrum kosten, schätzt Ruth Kaufmann. Mit dem Projekt soll die Synagoge auch mehr für interessierte Besucher geöffnet werden.

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