Der 29-Jährige wurde zu 20 Monaten bedingter Haft verurteilt.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Steiermark
02/13/2017

Graz: Falscher Arzt muss zwei Jahre in Haft

Der noch nicht rechtskräftig Verurteilte hatte sich mehrmals als Arzt ausgegeben und als solcher Vorträge gehalten. Grund: Er habe sich beim Hausbau verschuldet.

Ein Steirer ist am Montag im Grazer Straflandesgericht wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte sich zum wiederholten Mal als Arzt ausgegeben, obwohl er sein Medizinstudium nie beendet hat. Er schulte unter anderem in einem Kosmetikinstitut zukünftige Tätowierer und Piercer. Als Motiv gab er an, er habe dringend Geld für sein Haus gebraucht.

Richter Helmut Wlasak erkannte den höflichen, zuvorkommenden Beschuldigten auf den ersten Blick wieder, hatte er ihn doch schon vor fünf Jahren verurteilt. Er war nicht der Einzige, denn der 50-Jährige wies "Vorstrafen fast wie Sand am Meer" auf, so der Vorsitzende. Meistens ging es um Betrug, weil sich der Steirer immer wieder als Arzt ausgegeben hatte. Dazu fertigte er eine falsche Promotionsurkunde an, ebenso einen falschen Lebenslauf und Ähnliches. Diese Urkunden hatte er auch einem Kosmetikinstitut in Graz vorgelegt, das unter anderem Tätowierer ausbildet. Diese müssen einige Stunden von einem Arzt über die medizinischen Beschaffenheiten vorwiegend der Haut aufgeklärt werden. Die Kurse wurden auch vom Wirtschaftsförderungsinstitut (Wifi) gefördert.

Vorträge während Freigangs

Der falsche Arzt dozierte zur Zufriedenheit aller - was niemand wusste, war, dass er das teilweise als Freigänger und mit Fußfessel machte, weil er gerade eine Strafe verbüßte. Und er fertigte weiter Honorarnoten mit "Dr." aus. "Sie wären immer gern Arzt gewesen, aber Sie müssen zur Kenntnis nehmen, dass Sie das nicht sind", mahnte Staatsanwalt Arnulf Rumpold. Das alles habe er nur gemacht, weil er sich mit einem Hauskauf so verschuldet habe, erklärte der Angeklagte. "Dann müssen Sie das Haus wieder verkaufen", riet der Richter. "Ja, bitte sagen Sie das meiner Frau, rufen Sie sie an, da ist die Nummer", rief der Steirer. "Nein, das ist Ihre Sache", lehnte der Richter ab. "Sie kriegen von mir..." probierte es der Beschuldigte nochmals. "Einen Doktortitel?", unterbrach der Vorsitzende, und dann war Ruhe.

Als nichts mehr zog, legte er seine Krankengeschichte vor. Er sei Epileptiker und könne sich daher an vieles überhaupt nicht erinnern, zum Beispiel an das ganze Jahr 2012 oder die Geburtstage seiner Kinder. Als der Ankläger besonders wegen der Tatbegehung während der Haft eine strenge Strafe forderte, zog er ganzseitig kopierte Fotos von seinen Söhnen hervor. "Die Kinder brauchen mich, sobald der Kleine 19 ist, geh' ich in den Häf'n", bot er an. Auf diesen Deal ließ sich der Richter aber nicht ein und verhängte eine zweijährige Haftstrafe. Der 50-Jährige erbat sich Bedenkzeit.

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