Chronik | Österreich
01.06.2017

Ganz legale Häf’n-Geschäfte

"Jailshop.at" für Produkte von Häftlingen soll noch im Juni online gehen.

In Deutschland heißt es "Knastladen". "Aber das hat mir gar nicht gefallen", betont Justizminister und Vizekanzler Wolfgang Brandstetter, ÖVP. Er meint den Namen, nicht die Idee dahinter: Noch im Juni soll mit dem Internetvertrieb jener Waren begonnen werden, die von den Insassen der österreichischen Justizanstalten hergestellt werden. Ganz typisch österreichisch ist der Name der Website allerdings nicht: Sie wird unter "www.jailshop.at" zu finden sein.

Etwas zu tun zu haben, ist wichtig für Insassen eines Gefängnisses, produktive Arbeit mit sichtbarem Ergebnis erst recht, unterstreicht Brandstetter am Mittwoch bei einem Besuch in der Grazer Karlau. "In die Karlau fahre ich gern", sinniert Brandstetter. "Das ist eine Anstalt zum Angeben." Der Ressortchef lobt sie als "perfekt funktionierende" Justizanstalt. Dort sitzen auch die schweren Fälle: Männer mit Strafen ab 18 Monaten, die bis zum "lebenslang" reichen können.

Hochsitze für Jäger

27 Betriebe geben den Insassen der Karlau Arbeit und die Möglichkeit, eine Kleinigkeit zu verdienen, 1,83 Euro pro Arbeitsstunde. Auch neun Berufe können hier erlernt werden, vom Koch bis zum Tischler. Buchbinderei, Kfz-Werkstatt, Holzarbeiten: Vieles ist möglich in einem Gefängnis. Es gibt Justizanstalten, in denen Hochsitze für Jäger gebaut werden oder Hochbeete für Gärtner. Spielzeug aus Holz oder handgedrechselte Kugelschreiber: Die Vielfalt ist groß, aber in der Öffentlichkeit kaum bekannt, bedauert der Justizminister. "Zu wenige Menschen wissen, welche wirklich vernünftige Arbeit hier geleistet wird."

Mit ein Grund für "jailshop.at": Mehr Nachfrage bedeute mehr Arbeit für die Insassen. Der Grazer ÖVP-Stadtrat Kurt Hohensinner rechnet vor, dass jeder Häftling der Karlau auf durchschnittlich 3,3 Arbeitsstunden pro Tag kommt. 1,3 Millionen Euro an Einnahmen kamen 2016 allein durch ihre Leistung herein.

Offene Stellen

520 Insassen hat die Karlau derzeit und ist damit voll belegt, 275 Justizwachebeamte machen hier Dienst. Doch österreichweit könnten sie noch ein paar Kollegen mehr vertragen: 150 Planposten seien derzeit offen, berichtet Brandstetter.

Das könnte an der Konkurrenz anderer uniformierter Einheiten liegen. "Gleichzeitig mit uns suchen auch das Verteidigungsministerium und die Polizei Personal. Und die Grundausbildung der Justizwache ist schon sehr anspruchsvoll", meint der Ressortchef. Um mehr Menschen für diesen Job zu begeistern, startete das Justizministerium eine eigene "Rekrutierungsoffensive".