Chronik | Österreich
09.10.2017

Fünfjähriger stirbt nach Fenstersturz

Verunglückter Iraker dürfte Autist gewesen sein. Die Ärzte konnten den Schwerverletzten nicht mehr retten

"Das ist der schlimmste Albtraum aller Eltern. Uns allen geht der Tod dieses netten Buben tief unter die Haut. Man kann’s einfach nicht glauben", sagt eine Anrainerin kopfschüttelnd.

Tiefe Betroffenheit herrscht bei den Bewohnern eines Hochhauses in der Rosentalerstraße 78 in Klagenfurt / Waidmannsdorf. Ein fünfjähriger Bub war Sonntagnachmittag aus dem Küchenfenster im fünften Stock 25 Meter in die Tiefe auf den Asphalt gestürzt. Montagfrüh erlag der Iraker im Klinikum Klagenfurt seinen schweren Verletzungen.

"Erst vor einem halben Jahr ist die Familie von Wien nach Klagenfurt gezogen. Viel Kontakt suchen die Leute nicht mit den Nachbarn, weil sie kaum Deutsch sprechen, aber es sind freundliche Menschen", berichtet ein Pensionist. Der verunglückte Bub sei Autist gewesen, sagt ein anderer. "Ob diese Krankheit etwas mit dem Unfall zu tun hat?", fragt er.

Die Polizei betont, man stehe mit den Ermittlungen am Anfang und könne weder dementieren, noch bestätigen, dass der Bub an dieser Krankheit gelitten habe.

Mutter hochschwanger

Die Familie hat Asylstatus. Die Mutter (31 Jahre alt) – sie ist hochschwanger –, der Vater (36) sowie die Geschwister (10 und 13 Jahre) werden rund um die Uhr von einem Kriseninterventionsteam betreut. "Einvernahmen gehen aufgrund der psychischen Belastung der Eltern und wegen der Sprachbarriere schleppend voran", erklärt Polizeisprecherin Waltraud Dullnig.

Die Eltern gaben bisher an, dass sich der Fünfjährige zum Zeitpunkt des Unfalls alleine in der Küche aufgehalten habe. Ihren Aussagen zufolge sei er durstig gewesen und habe sich etwas zu trinken holen wollen. Alle anderen Familienangehörigen hätten sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Wohnzimmer befunden. Daher könnten sie auch keinerlei Angaben zu den weiteren Ereignissen machen.

Die Ermittler sind folglich auf Vermutungen angewiesen. Demnach dürfte der Bub auf einen Kasten geklettert sein und selbst ein Fenster geöffnet haben. In der Küche gibt es zwei aneinander grenzende Fenster. Zeugen sagen, dass das große nach dem Unfall gekippt gewesen sei, das kleine geöffnet. Laut Polizei ist jedoch unklar, durch welches der Fünfjährige gestürzt ist.

Nachbar entdeckte Bub

Die Eltern erklären weiters, sie hätten die Tragödie erst um Minuten verzögert wahrgenommen. In Gang gesetzt wurde die Rettungskette von einem Nachbarn, der um 16.45 Uhr den Buben am Asphalt liegend entdeckt hatte. Das schwer verletzte Kind wurde von einem Notarztteam wiederbelebt und intubiert. Erst nach einer halben Stunde war der Bub transportfähig: Im Klinikum Klagenfurt wurde er intensivmedizinisch betreut, erlag jedoch in den Morgenstunden seinen Verletzungen.