Freispruch 25 Jahre nach Mord
Der Mord vor dem Café Orient am Wiener Neubaugürtel ist 25 Jahre her. Das Opfer hatte seinen Hund misshandelt, was dem Todesschützen sauer aufgestoßen war. Über Umwege führte die Spur verspätet zum Angeklagten.
Die Tatzeugen von damals beschreiben einen Täter, der einen Oberlippenbart oder Vollbart oder Gamsbart oder gar keinen Bart hatte. Er trug Brille bzw. keine. Man hörte vorher einen Streit oder nicht, und nachher einen Schuss oder zwei Schüsse.
Was also soll Harald K., 66, schwerhörig, am Stock gehend, noch erschüttern? Wie seine Ex-Frau inzwischen aussieht, das ist ein Schock für ihn, als sie in den Zeugenstand tritt.
Verteidiger Herbert Eichenseder will "keinen Heiligen" aus K. machen. Der gelernte Bauspengler hat 16 Vorstrafen gesammelt, aber nur Eigentumsdelikte. Einen Vollbart habe er nur im Häfen getragen, eine Brille nie.
Der "historische Sachverhalt", wie Staatsanwalt Kurt Hankiewicz nicht umhin kann zu bemerken, ist folgender: Ein anonymer Anruf einer Frau, sie kenne den Mörder, entpuppte sich als Hinweis der damaligen Ehefrau des Angeklagten. Dann aber zog sie zurück, sie habe sich nur wichtig machen wollen. Jahre später stellt sich heraus: Die Tatwaffe gehörte einem Baumeister. Der hat sie Harald K. statt Lohn für eine Arbeit gegeben. Man befragte die inzwischen geschiedene Ehefrau erneut, nun belastete sie ihn: Er habe ihr den Mord gestanden. Harald K. kam in Haft.
Therapie
Er habe sie nur schrecken wollen, so geht seine Verantwortung. Sie sei vom Alkohol nicht losgekommen, dabei habe man damals gut gelebt und daheim sogar einen neunflammigen Kristallluster gehabt. Er habe ihr "a paar aufg’legt", und als das auch nichts half, habe er mit Hinweis auf eine Zeitungsmeldung über den Mord quasi zu Therapiezwecken gesagt: "Dir wird’s auch so gehen, den hab’ ich auch erschossen." Den Revolver habe er gleich verkauft, als er ihn bekommen hatte. "Mit so an Ding zu schiaßen macht kan Spaß. Des raucht und stinkt und man trifft eh nix."
Ob er rund um die fragliche Zeit (16. März 1987) im Café Orient verkehrt habe, will Richterin Martina Krainz wissen. "Das ist ein Vierteljahrhundert her", sagt K. und zuckt die Schultern.
Freispruch, einstimmig.
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