Chronik | Österreich
02.08.2018

Flugverspätungen sind die Regel

In der Hauptreisezeit wird das Fliegen immer wieder zur Geduldsprobe. Sparkurs bei den Airlines

Chaos am Flughafen München ausgerechnet zu Beginn der Sommerferien in Bayern: Eine Reisende wird am Sicherheitscheck nicht richtig kontrolliert und verschwindet in der Menschenmasse. Die Folge: der gesamte Terminal musste geräumt werden, stundenlange Verspätungen und dutzende Flugausfälle waren die Folge.

Ein krasses Beispiel, aber kein Einzelfall, wie es seit Wochen auf Europas Flughäfen zugeht. Betroffen sind alle Airlines, besonders aber Billigflieger, wo die Ursachen oft hausgemacht sind. Weit oben am Pranger stehen die Lufthansa-Tochter Eurowings sowie Ryanair, die durch Streiks des schlecht bezahlten Personals öfters nicht abhebt, und ihre Tochter Laudamotion, die erst vor Kurzem den Flugbetrieb aufgenommen hat.

Fast täglich zu spät

Wie das hessische Verkehrsministerium am Donnerstag berichtete, ist im Juli der Laudamotion-Flug OE319 aus Palma de Mallorca an 31 Tagen nur sechs Mal vor der Nachtfluggrenze von 23.00 Uhr gelandet. Planmäßige Ankunft war jeweils um 22.45 Uhr. 16-mal landete der Flieger verspätet zwischen 23.00 und 24.00 Uhr, sodass sich dafür die Gesellschaft nun beim Regierungspräsidium rechtfertigen muss. Es besteht der Verdacht, dass die Verspätung bereits im zu engen Flugplan angelegt ist. In acht Fällen musste die Maschine nach 24.00 Uhr im 120 Kilometer entfernten Hahn landen, wo kein Nachtflugverbot gilt. An einem Tag wurde der Flug gleich ganz abgesagt.

Und bei Laudamotion drohen zusätzliche Verspätungen. Denn die Verhandlungen über einen Kollektivvertrag (KV) gehen der Gewerkschaft zu langsam, sie droht mit Betriebsversammlungen.

Generell gibt es in Europa einen Mangel an Piloten und verfügbaren Flugzeugen. Hinzu kommen Kapazitätsengpässe auf diversen Routen, Unwetter, die umflogen werden müssen und Infrastrukturmängel (auf dem Flughafen Rhodos etwa fiel am Wochenende stundenlang der Strom aus, in Hamburg war dies vor Kurzem der Fall).

Und nicht zuletzt sparen alle Airlines. Die Rotationszeiten sind extrem knapp bemessen, jede kleinste Verspätung wirkt sich sofort auf die weiteren Flüge aus. Die Verspätungen im europäischen Luftverkehr sind laut Luftfahrtverband IATA heuer um 133 Prozent gestiegen. In der ersten Jahreshälfte seien die Flugzeuge pro Tag um 47.000 Minuten verspätet gewesen.

-Robert Kleedorfer