Chronik | Österreich
22.06.2018

Elfenbein-Prozess: "Putzhelfer“ soll angeblichen Boxweltmeister entlasten

Verhandlung auf Freitag vertagt.

Der Wiener Elfenbein-Prozess wird immer skurriler. Der angebliche Boxweltmeister im Mittelgewicht, Mohamed Buckla, hortete in seiner Wohnung 88 Stoßzähne von Elefanten mit einem Gewicht von 560 kg und einen Schwarzmarktwert von einer halben Million Euro. Sie wurden im November 2016 sichergestellt, es ist der größte Aufgriff in Österreich. Der Staatsanwalt wirft dem in Kairo geborenen 67-Jährigen vor, „Blut an seinen Händen“ zu haben. Der Handel mit Elfenbein ist nach dem Artenschutzabkommen seit 1979 verboten.

Der von Peter Philipp verteidigte Buckla behauptet, die Stoßzähne bereits vor 1979 von einem Ägypter gekauft zu haben, damit wäre der Besitz straflos. Leider kann man den Ägypter nicht mehr befragen, er ist verstorben. Dafür zauberte der Angeklagte einen Mann aus dem Hut, der ihm vor Jahren als „Putzhelfer“ beim Reinigen des Elfenbeins geholfen habe und daher bezeugen könne, dass es schon sehr lange in seinem Besitz sei.

„Er hat die Stoßzähne gehalten, ich habe sie mit Milch gewaschen, damit sie nicht springen“, erklärte Buckla, der es eigenen Worten nach „genießt“, die Zähne zu drapieren und zu betrachten. Richterin Martina Spreitzer-Kropiunik schickte die Polizei zu der Adresse des angeblichen „Putzhelfers“, dort wurde der Mann jedoch nicht angetroffen. Er soll bis Freitag stellig gemacht werden, dann ist das Urteil geplant.

Inzwischen hat Buckla noch einen zusätzlichen Anklagepunkt am Hals: Vorlage eines gefälschten Beweismittels, nämlich eines Box-Gürtels, den er 1975 als Weltmeister errungen haben will. Der Gürtel hat allerdings keine Ähnlichkeit mit dem Weltmeister-Gürtel, den die World Athletic Association tatsächlich vergibt. Es ist fraglich, ob Buckla überhaupt je Profiboxer war.