Im Dachgeschoß der gemeinnützigen Anlage in Polling wird der Ortschef einziehen

© Zeitungsfoto.at

Tirol
03/06/2020

Eine Sozialwohnung für den Dorfbürgermeister

Die Vergabe der gemeinnützigen Wohnung durch den Gemeinderat sorgt für einen Politstreit in Polling.

VonChristian WillimDie Speckgürtel rund um die großen Gemeinden im Tiroler Inntal werden immer größer. Und das lässt auch im ländlichen Raum zunehmend die Wohnpreise steigen. Die Landespolitik hat darauf im Vorjahr reagiert. Über die Wohnbauförderung wurden zusätzliche Mittel für den Bau kleiner Wohnanlagen am Land bereitgestellt.

„Gerade für junge Familien soll dadurch der Start erleichtert werden“, erklärte Wohnbaulandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) vor einem Jahr in Polling, einem Dorf zwischen Telfs und Innsbruck, beim Spatenstich für so einen kleinen Wohnblock.

Den Spaten hat damals auch Bürgermeister Gottlieb Jäger geschwungen. Mit diesem „Pilotprojekt“ für junge Familien und Senioren „schaffen wir ein leistbares Angebot“, erklärte er. Dass der 61-Jährige selbst dort in Bälde mit seiner Frau eine Dachwohnung beziehen wird, sorgt für politisches Rumoren im Dorf.

Gemeinnützig

Errichtet hat den Wohnblock die gemeinnützige Neue Heimat Tirol. Das Vergabrecht für die elf Einheiten liegt aber beim Gemeinderat, in dem Jägers Liste mit sieben von elf Mandaten eine klare Mehrheit hat.

Robert Greil sitzt in der Opposition und wirft dem Ortschef der Gemeinde mit rund 1200 Einwohnern vor, dass der sich „eine Luxuswohnung in einem gemeinnützigen Bau zuschanzt“ habe. Harte Bandagen.

Nach einem Luxusdomizil schaut der Wohnbau zwar nicht aus. Fakt ist aber, dass der Bürgermeister die mit 100 Quadratmetern größte Wohnung beziehen wird. Laut Greil war Jäger Mitglied des zuständigen Ausschusses, als dieser dem Gemeinderat die Zuweisungen für die Wohnungen vorgeschlagen hat.

Der Bürgermeister weist das auf Anfrage vehement zurück. „Das ist alles lupenrein. Ich kriege nichts geschenkt“, sagt er. Auf Greil, der ihm 2016 bei der Bürgermeisterwahl unterlegen ist, ist Jäger nicht gut zu sprechen. Umgekehrt ist es genauso. Freunde werden die beiden keine mehr.

Rund 900 Euro wird der Bürgermeister laut eigenen Aussagen für seine neue Wohnung inklusive Betriebskosten zahlen. Und damit 300 bis 400 Euro weniger als am freien Markt, wie er selbst sagt. „Ich bin wohnbauförderungswürdig. Das wurde geprüft“, rechtfertigt sich der Langzeit-Ortschef.

Keine Bewerber

Und überhaupt habe er sich erst für die Wohnung beworben, „nachdem ein halbes Jahr niemand angesucht hat.“ Zudem gäbe es eine Punktesystem für die Zuteilung. Dass dieses aber nicht öffentlich ist, ist ein Kritikpunkt von Jägers Kontrahenten Greil. So seien nämlich weder diese noch andere Vergaben nachvollziehbar.

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