ARCHIV - In einer Arztpraxis in Frankfurt (Oder) hält am 20.02.2003 ein Arzt das Stethoskop in den Händen. Nach der City BKK steht laut «Financial Times Deutschland (FTD)» mit der BKK für Heilberufe die zweite Krankenkasse vor der Insolvenz. Derzeit suche der Vorstand der Kasse unter den anderen Betriebskrankenkassen händeringend nach einem Fusionspartner. Falls sich bis Ende Mai niemand finde, der die BKK Heilberufe mitsamt ihren knapp 130 000 Versicherten übernehmen will, drohe der Kasse in den kommenden Monaten die Zahlungsunfähigkeit. Foto: Patrick Pleul/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++

© Zentralbild/Patrick Pleul

Tirol
06/23/2014

Drei Ärzte nach Tod von Dreijähriger vor Gericht

Mediziner sollen zu lange Narkosemittel verabreicht haben - Verteidiger kritisieren Verfahren.

Nach dem Tod eines dreijährigen Mädchens nach einem Routineeingriff in der Innsbrucker Klinik im Oktober 2011 haben sich am Montag am Landesgericht Innsbruck drei Ärzte verantworten müssen. Den Medizinern wurde vorgeworfen, durch eine zu lange Propofolzufuhr den Tod des Kindes herbeigeführt zu haben. Die Angeklagten bekannten sich vor Richter Bruno Angerer nicht schuldig.

Das Mädchen war am 15. Oktober an die Innsbrucker Klinik überwiesen worden, weil es beim Spielen Klebstoff verschluckt hatte. Unter Narkose mit Propofol sei eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege vorgenommen worden. Dabei musste das Mädchen intubiert werden. Am nächsten Tag sollte eine Kontrolluntersuchung durchgeführt werden. Zu diesem Eingriff sei es dann unter anderem wegen Personalmangels, es sei ein Sonntag gewesen, nicht gekommen, sagte der Erstangeklagte. "Weil das Kind langsam aufzuwachen drohte, erhöhte ich die Dosis im Laufe des Tages", fügte der aus Luxemburg stammende Arzt hinzu.

Am Montag brachte der Zweitangeklagte das Kind schließlich in den OP, um es rasch zu extubieren und die Propofolzufuhr zu stoppen. "Das Kind hatte jedoch keine ausreichende Eigenatmung. Es musste mit einer Atemhilfe unterstützt werden und das ging nur in Verbindung mit einem Narkotikum", schilderte der Facharzt für Pädiatrie. Als die Atmung des Mädchens über Stunden nicht besser wurde, sei ihm das Propofol-Infusionssyndrom (PRIS), an dem das Mädchen gestorben sei, in den Sinn gekommen. Zu diesem Zeitpunkt habe er sofort die Propofolzufuhr beendet.

Ärzte verteidigen sich

Die Ärzte betonten wiederholt, dass Propofol auf jeden Fall das geeignetste Sedierungsmittel gewesen sei. "Jedes andere Narkotikum hätte die Eigenatmung unterdrückt und wäre schlecht steuerbar gewesen", erklärte der Zweitangeklagte. Ein PRIS sei extrem selten, das Risiko liege bei eins zu einer Million, meinten die Mediziner.

Die Verteidiger kritisierten indes das gesamte Verfahren. Ein Privatgutachten sei bereits vor Beginn veröffentlicht worden. Der Verfasser dieses Gutachtens führe außerdem "einen Krieg gegen die Kinderklinik", meinte Rechtsanwalt Mathias Kapferer. Auch die Staatsanwaltschaft wurde von den Rechtsanwälten beschuldigt, die Pflicht zur Objektivität vernachlässigt zu haben. Ein Urteil wird für Mittwoch erwartet.

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