Chronik | Österreich
22.03.2018

"Don't smoke": Taktieren dürfe nie vor Vernunft stehen

Steirische Ärzte und Krebshilfe baten um weitere Hilfe. Donnerstagfrüh waren über 543.000 Unterstützungen gezählt.

Die Steirische Ärztekammer und die Steirische Krebshilfe haben am Donnerstag appelliert, weiterhin Unterstützungserklärungen für das Volksbegehren "Don't smoke" abzugeben. Zeitgleich lief im Nationalrat die Debatte über das Kippen des ab Mai geplant gewesenen Rauchverbots in der Gastronomie. Bis Donnerstagfrüh hatten 543.498 Personen, das sind 8,52 Prozent aller Wahlberechtigten, unterschrieben. Ärztekammer-Präsident Herwig Lindner sagte, dass an der Pressekonferenz in Graz eigentlich noch ein gutes Dutzend anderer Ärzte außer ihm hätten teilnehmen können, wie dies etwa die Krebshilfe-Präsidentin und Radio-Onkologin Karin Kapp sowie Med-Uni-Graz-Rektor Hellmut Samonigg taten. Sie alle - Lungenfachärzte, Augenfachärzte, Kardiologen und Internisten - wären in ihrem Beruf mit den Folgen des Rauchens konfrontiert.

Das Anliegen der Ärztekammer und der Krebshilfe sei laut Lindner "mit einem Satz umrissen. Es geht darum, dass die Gastronomie rauchfrei und dass das Rauchverbot in der Gastronomie nicht ausgehebelt wird. Während wir hier stehen, wird im Nationalrat die Abschaffung diskutiert. Parteipolitisches Taktieren darf nie vor Vernunft und Gesundheit stehen". Vielleicht werde es auch eine Volksabstimmung geben, denn alles andere sei ein Ignorieren der direkten Demokratie. Sein gemeinsamer Appell mit Kapp und Samonigg: "Es sind noch 14 Tage bis zum 4. April Zeit, um mit einer Unterstützungserklärung dem geplanten Volksbegehren zu helfen".

Steiermark mit vierthöchster Beteiligung

Die Steirer seien bei den Unterschriften durchschnittlich vertreten, meinte Lindner. "Aber was mich sehr freut - von allen Landeshauptstädten ist Graz prozentuell gesehen am vordersten Platz, und es gibt noch Luft nach oben", so der AK-Präsident. In der Steiermark hatten bis Donnerstagfrüh 80.358 Menschen unterschrieben. Nach Niederösterreich (108.533), Wien (107.861) und Oberösterreich (101.381) ist die Steiermark somit das Bundesland mit der vierthöchsten Beteiligung.

Bei den Städten liegt in absoluten Zahlen Wien mit 107.861 Unterschriften voran, gefolgt von Graz (23.171) und Linz (13.965). Anteilsmäßig haben 11,75 Prozent der wahlberechtigten Grazer Bevölkerung unterschrieben, danach folgen Innsbruck (11,09) und Klagenfurt (10,6). Wien liegt auf dem sechsten Platz mit 9,38 Prozent. Lindner wies auch auf die Behandlungskosten von Krebskranken hin. Da habe man ein Gesetz, das dazu beitragen könne, diese zu senken "und dann ist man drauf und dran, es in den Schredder zu stecken. Das ist volkswirtschaftlicher Unsinn". Krebshilfe-Präsidentin Kapp betonte ebenso wie Samonigg, dass es möglich sei, die Zahl der bisherigen Unterstützungserklärungen noch zu erhöhen. Dabei sei auch die Zahl von 900.000 möglich. "Zwei Drittel haben wir schon", sagte Samonigg.