Dörfler entschuldigt sich für Dobernig-Sager
Die Ansage des Kärntner FPK-Landesrates Harald Dobernig, die Kärntner Slowenen seien "keine echten Kärntner", hat am Montag weitere teils heftige Reaktionen ausgelöst. Landeshauptmann und FPK-Parteifreund Gerhard Dörfler nutzte erst am Montag im Anschluss an eine Regierungssitzung die Gelegenheit, um sich von der Aussage Dobernigs zu distanzieren und sich bei den Slowenen zu entschuldigen. "Diese Aussagen haben nicht meine Unterstützung. Meine Position ist eine andere. Die Ortstafellösung ist keine ‚Einstiegsdroge‘, sondern signalisiert die Mitte der Brücke. Ich möchte mich bei der Volksgruppe entschuldigen.", sagte Dörfler laut orf.at.kärnten.
Spindelegger: "Provinzpolitiker"
Man lasse sich das gute Verhältnis zu Slowenien nicht "von einem Provinzpolitiker schlecht machen", sagte Außenminister Michael Spindelegger. "Ich möchte mir wirklich verbieten, dass das Verhältnis auf diese Art und Weise angepatzt wird", so Spindelegger. Er arbeite ganz im Gegenteil daran, das Verhältnis zum Nachbarland weiter zu intensivieren. Solche Störungen seien daher fehl am Platz. Für Verteidigungsminister Darabos ist Dobernig rücktrittsreif. Derartige Ansichten hätten "in einer Demokratie nichts verloren", meinte der Minister. "Leider haben solche Provokationen bei den Freiheitlichen seit Haider Tradition. Eine Volksgruppe derart zu beleidigen, schlägt dem Fass allerdings den Boden aus."
FPK-Chef Kurt Scheuch stärkt Dobernig den Rücken, und forderte vom Botschafter Sloweniens in Wien, Aleksander Gerzina, eine "sofortige Entschuldigung". Dieser hatte aufgrund der Dobernig-Aussagen die Freiheitlichen in Kärnten mit einer "Massenbewegung, die in den 30er Jahren erfolgreich war" verglichen. "Gerzina ist als Botschafter rücktrittsreif", so Scheuch am Montag. Der Vergleich seiner Partei mit einem totalitären Regime sei "wohl die größte Frechheit, die sich ein offizieller Vertreter eines anderen Landes gegenüber der stimmenstärksten Partei in Kärnten leisten kann", meint Scheuch, der abermals eine Besserstellung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien einforderte.
Quer durch alle Parteien und auch vonseiten der Slowenenvertreter gab es Unverständnis für Dobernigs Attacken. Auch zahlreiche Rücktrittsaufforderungen ergingen in Richtung des FPK-Politikers. Die Staatssekretäre Josef Ostermayer (SPÖ), Sebastian Kurz ( ÖVP) und Reinhold Lopatka (ÖVP) kritisierten Dobernig, ebenso Grünen-Chefin Eva Glawischnig und BZÖ-Obmann Josef Bucher. Auch in Kärnten gab es kräftigen Widerspruch vonseiten der anderen Parteien.
Ortstafellösung als "Einstiegsdroge"
Dobernig hatte am Samstag bei einem Festkonzert des Kärntner Abwehrkämpferbundes die Ortstafellösung als "Einstiegsdroge" bezeichnet und sprach der slowenischsprachigen Volksgruppe ab, "echte Kärntner" zu sein. Die Feier fand anlässlich des bevorstehenden 10. Oktober, dem Tag der Kärntner Volksabstimmung, statt. "Wir müssen uns stärker artikulieren, müssen kämpfen, gemeinsam Leserbriefe schreiben, sonst glaubt man, dass es in Kärnten nur noch die slowenische Vertretung gibt", so Dobernig. "Kärnten ist nicht zweisprachig." Und weiter: "Man hat bereits den Eindruck, dass in Kärnten mehr Slowenen als richtige Kärntner leben." Kritik übte der FPK-Politiker erneut an einer Ende September präsentierten Zehn-Euro-Sondermünze mit dem Aufdruck "Kärnten/Koroska" - der Name des Bundeslandes in deutscher und slowenischer Sprache.
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