Dobernig: Musterschüler Haiders aus Hotel Mama
Die protzige Uhr auf dem linken Handgelenk. Das gelb-rot-weiße Freundschaftsband auf dem rechten. Kärntens Finanzlandesreferent Harald Dobernig kennt und lebt den Dresscode seiner Partei, der FPK. Der 32-Jährige hat das Charisma eines Musterschülers. Immer lächelnd, stets akkurat gescheitelt.
Und er ist versiert in der FPK-Spezialdisziplin: mediale Handgranaten werfen, wenn die Korruptionsaffären zu arg drücken. Am Samstag hatte er gegen die slowenische Minderheit gewettert. Ihnen abgesprochen, "echte" Kärntner zu sein; die Lösung im Ortstafelstreit "Einstiegsdroge" genannt. Es hagelte Rücktrittsaufforderungen; FPK-Landeshauptmann Gerhard Dörfler musste ausrücken und sich bei der Volksgruppe entschuldigen (mehr dazu hier). Es war aber kein Ausrutscher: Dobernig hatte schon vor Wochen gegen eine Gedenkmünze mit dem zweisprachigen Aufdruck "Kärnten/Koroška" gewettert.
Justiz im Nacken
Ein Ablenkungsmanöver? Die Justiz ermittelt in zwei Fällen gegen Dobernig: Wegen einer Broschüre des Landes, die im Wahljahr 2009 verteilt wurde und die dem Design seiner damaligen Partei BZÖ verblüffend ähnlich sah. Und in der Causa Birnbacher. Der Steuerberater hatte in seinem Geständnis im Prozess zum überteuerten Hypo-Gutachten gesagt, dass auch Ex-FPK-Chef Uwe Scheuch und Dobernig Geld gefordert hätten. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Aber Dobernig hat noch ein weiteres Problem: Im Alleingang hat er den Verkauf von Anteilen des Energieriesen Kelag an die deutsche RWE eingefädelt – die Opposition läuft Sturm dagegen. Der Grüne Rolf Holub ist überzeugt, dass Dobernig gerade eine Show im Stile von Jörg Haider abzieht. "Der ist auch medienwirksam nach Bagdad gereist, wenn es Probleme gab. Und man sieht sogar, wie Dobernig in den TV-Interviews jetzt grinsen muss. Er hat bekommen, was er wollte."
Haider im Kopf
Dobernigs Aufstieg lief steil – und über Haider. Nach dem BWL-Studium und einem Jahr bei der Hypo Kärnten kam er 2004 ins Büro des Landeshauptmannes. Ein Jahr später wurde er dessen Büroleiter. Nach Haiders Unfall beerbte er ihn als Finanzreferent des Landes – wohl auch, weil er als einziger einen Überblick über das Finanzgeflecht im System Haider hatte. 2010 wandte er sich mit Dörfler und Co. vom BZÖ ab.
Petzner hält ihn für den Fädenzieher der FPK: "Er macht die Sacharbeit." Er glaubt, dass die Attacke gegen die Slowenen keine Taktik war: "Er tickt wirklich so, ist erzkonservativ. Ein Schreibtischtäter. Holub sagt: "Er ist nicht so unbedarft, wie er wahrgenommen wird". Der Kabarettist lobt und – weist gleichzeitig auf Dobernigs Schwäche hin: sein Auftreten. In einem Interview mit dem Kärntner Monat verriet er 2010: "Ich lese sehr wenig." Wegen des Jobs gehe er gleich schlafen, wenn er nach Hause komme. Sein Zuhause, das ist nach wie vor das Haus der Eltern. Dem Monat sagte er: Das liege am tollen Komfort. Vielleicht hat es aber auch etwas mit seinem Frauenbild zu tun: 2011 hat er auf Antenne Kärnten seine Vorstellung einer Beziehung zum Besten gegeben. Mit Halbe-halbe sehe es bei ihm schlecht aus: "Sie kocht. Ich esse."
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Hintergrund
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