Fand ein tragisches Ende: Ferdinand Raimund (1790–1836)

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Chronik Österreich
07/13/2019

Die Tragödie im Leben und im Tod Ferdinand Raimunds

"Geschichten mit Geschichte" von Georg Markus. Diesmal: Das Drama des Volksdichters Ferdinand Raimund.

von Georg Markus

Bei den Raimundfestspielen in Gutenstein ist seit Donnerstag ausnahmsweise kein Stück von Ferdinand Raimund zu sehen, sondern eines über ihn. Felix Mitterer hat das Leben des Dichters in „Brüderlein fein“ rekonstruiert. Es war ein dramatisches Leben, das vor allem dramatisch endete.

Am 29. August 1836 ereignete sich ein zunächst unbedeutend erscheinender Vorfall:

Raimund war von einer Gastspielreise auf seinen Besitz im niederösterreichischen Gutenstein zurückgekehrt und von seinem Hund im Spiel gebissen worden. Da er überzeugt war, dadurch an Tollwut erkrankt zu sein, ließ er eine Kutsche anspannen, um seinen Arzt in Wien zu konsultieren. In ein Unwetter gekommen, übernachtete er unterwegs mit seiner Freundin Toni Wagner im Gasthof „Zum goldenen Hirschen“ in Pottenstein. Spätnachts verlor er dort die Nerven und jagte sich eine Kugel in den Kopf.

Zuckerbäckerlehre

Dem schrecklichen Ende war ein Leben zwischen beruflichen Erfolgen und persönlichem Leid vorausgegangen. Raimund war als 13. und letztes Kind eines Drechslermeisters in Wien zur Welt gekommen. Elf seiner zwölf Geschwister waren im Säuglingsalter verstorben, nur er und eine Schwester überlebten. Die Mutter starb, als er zwölf war, der Vater zwei Jahre später. Mit 14 ging er zum Zuckerbäcker Jung auf der Wiener Freyung in die Lehre.

Das war eine schicksalhafte Fügung, denn als Lehrbub des Zuckerbäckers hatte Raimund die Aufgabe, im Burgtheater Süßwaren zu verkaufen. Und er war vom ersten Tag an dem Theater verfallen. Er blieb bis zum Ende jeder Vorstellung und wollte nur noch Schauspieler werden. Mit 18 Jahren schloss er sich einer Wanderbühne an, mit der er durch die Provinz zog. 1814 erkannte der Direktor des Theaters in der Josefstadt sein Talent und engagierte ihn. Raimund wurde ein Star, fand jedoch keine Stücke, die ihm zusagten und begann daher selbst zu schreiben. Mit seinem „Barometermacher auf der Zauberinsel“ war er auf Anhieb erfolgreich.

"Gesindel vom Theater"

Doch Raimunds Psyche war nicht geschaffen, den Erfolg genießen zu können. Nach dem beruflichen Höhenflug kam die private Niederlage: Raimund hatte sich in Toni Wagner, die Tochter eines Cafétiers, verliebt. Da der Kaffeesieder mit dem „Gesindel vom Theater“ nichts zu tun haben wollte, verweigerte er die Einwilligung zur Heirat. So begann Raimund in seiner Depression eine Beziehung mit seiner Kollegin Louise Gleich.

Ohne die Schauspielerin zu lieben, wurde er in eine von ihren Eltern erzwungene Heirat getrieben. Die Ehe wurde nach wenigen Monaten geschieden, worauf Raimund zu seiner angebeteten Toni Wagner zurückfand, mit der er den Rest seines Lebens zubrachte. Doch die geltenden Gesetze erlaubten es nicht, ein zweites Mal zu heiraten,

Toni war auch dabei, als er seinem Leben ein Ende setzte.