Chronik | Österreich
14.09.2018

Deutscher mit tätowiertem NS-Symbol in Klagenfurt verurteilt

Mann war im Juli direkt im Landesgericht Klagenfurt festgenommen worden.

Ein 36-jähriger Deutscher ist am Freitag am Landesgericht Klagenfurt wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz von einem Geschworenensenat schuldig gesprochen und zu 15 Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Er hatte während einer Hauptverhandlung in Klagenfurt seinen linken Mittelfinger, auf dem eine Odalrune tätowiert ist, in die Höhe gehalten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Odalrune in Österreich verboten

Der Mann war am 10. Juli dieses Jahres am Landesgericht Klagenfurt unmittelbar nach dem Prozess gegen einen Freund, der ebenfalls wegen Wiederbetätigung verurteilt wurde, festgenommen worden und saß seither in Untersuchungshaft. Der nicht vorbestrafte Angeklagte gab den Sachverhalt zwar zu, erklärte aber, nicht gewusst zu haben, dass die Odalrune in Österreich verboten sei. Er habe seinen ganzen Arm zum Thema Wikinger tätowieren lassen und sie in diesem Zusammenhang gewählt.

Weiters sagte der Angeklagte, er gehöre weder der rechten Szene an noch sympathisiere er mit der NS-Ideologie. Recherchen des Verfassungsschutzes haben laut Aussagen eines Zeugen jedoch ergeben, das es sehr wohl Verbindungen zur rechten Szene gebe. Auch ist über ihn in Deutschland ein Waffenverbot verhängt.

Verteidiger Philipp Tschernitz argumentierte, dass ein solches Symbol bei der deutschen Bundeswehr auch das Rangabzeichen des Hauptfeldwebels darstelle. Im Wappen einer ostdeutschen Stadt komme es ebenfalls vor.

Laut Staatsanwältin Tina Frimmel-Hesse wurde diese Rune in der NS-Zeit sowohl von der Hitlerjugend und der SS als auch dem NS-Rasse- und Siedlungsamt verwendet und stehe in der rechten Szene für Blut- und Bodenideologie. Darüber hinaus habe der Angeklagte, der auf dem ganzen Körper, auch im Gesicht und dem kahlen Kopf, tätowiert ist, weitere NS-Tattoos, wie mehrere Hakenkreuze und die Wörter "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" sowie "Heil", so Frimmel-Hesse.

Diese Tätowierungen stammten aus einer Zeit, in der er gegen alles und jeden revoltiert und sich in diesem Zusammenhang auch mit dem Nationalsozialismus beschäftigt habe, sagte der Angeklagte dazu: "Und man kann mit nichts besser provozieren als damit." Heute gehe er ohne T-Shirt nicht aus dem Haus und überlege, sich "umtätowieren" zu lassen. Bei der Hauptverhandlung hatte er auch den linken Mittelfinger überklebt.

Urteil nicht rechtskräftig

Als Begründung für die bedingte Haftstrafe führte Richter Bernd Lutschounig die bisherige Unbescholtenheit des Mannes an. Außerdem habe er sich davor in Österreich nicht auffällig verhalten. Der Angeklagte nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.