Chronik | Österreich
10.05.2018

„Der Wolf könnte ein Teil der Lösung sein“

Franz Puchegger sieht in dem Raubtier einen Helfer beim Schutz des Waldes

Der KURIER sprach mit dem Obmann des Ökologischen Jagdverbandes Österreich, Franz Puchegger (Jäger und Forstmann), über den Zusammenhang von Waldschäden, Jagd und Wolf.

KURIER: Hilft die Jagd mit, den Wald zu schützen?

Puchegger: Seit vielen Jahrzehnten leidet der Wald unter stark überhöhten, hochgefütterten Wildbeständen. Auf zwei Drittel der niederösterreichischen Waldflächen gibt es deshalb keine Naturverjüngung. Das ist kein Naturschutz.

Was wäre zu ändern?

Der Wolf könnte Teil der Lösung sein, indem er das Wild reguliert. Fachgerecht, durch die Entnahme kranker und schwacher Tiere. Der Wolf ist aus meiner Sicht kein Problem, sondern könnte ein Teil der Lösung sein. Der Umgang der Landesjagdverbände damit zeigt aber, wie wenig echtes Naturverständnis das herkömmliche Jagdwesen aufbringt.

Viele Jäger argumentieren, dass das Rotwild sich aus Angst vor dem Wolf im Wald versteckt und dort mehr Schäden anrichtet als bisher.

Das gehört für mich zu den bewusst oder fahrlässig verbreiteten Fake News. Der Wolf ist besonders für solche Jäger ein Konkurrent, die bequeme Abschüsse wollen und wenig Zeit investieren möchten. Nicht der Wolf, sondern die zu große Wilddichte ist das Problem. Gleichzeitig sorgt der Wolf für mehr Balance in der Natur. In Polen hat man festgestellt, dass Biber und Fischotter zu einem hohen Anteil zu seinen Beutetieren zählen. Also würde er Tiere reduzieren, die Schäden verursachen.

Manche fürchten den Wolf.

Diese Angst wird bewusst geschürt. In Italien oder Griechenland hat der Wolf ein positives Image. Bei uns leidet es durch die Märchen der Gebrüder Grimm.

Hat der Wolf bei uns einen Lebensraum?

In den Nationalparks bestimmt. Ich finde es nur arg, dass Josef Pröll als oberster Jäger dem Wolf keinen Lebensraum in Österreich zugesteht. Er suggeriert damit, dass das Tier eigentlich weg gehört. Die Botschaft klingt so, als wäre der Abschuss ein Kavaliersdelikt. So etwas darf aber nur in Sonderfällen geschehen, nach einer gemeinsam mit den Behörden unter Einbeziehung von NGOs wie dem WWF getroffenen Entscheidung.